Ausgewählte Information zur Diagnostik

Informationen zum Erblichen Brustkrebs

Im letzten Jahr haben sich zahlreiche Neuerungen in der Versorgung von Patienten mit (Verdacht auf) erblichen Brust- und Eierstockkrebs ergeben. Dies betrifft insbesondere die molekulargenetische Diagnostik. Wir möchten dies zum Anlass nehmen, Ihnen einen Überblick über den aktuellen Stand der Empfehlungen zu geben.

Hintergrund

Der erbliche Brust- und Eierstockkrebs ist eines der häufigsten erblichen Tumorsyndrome, etwa eine von 400 Personen trägt eine ursächliche genetische Veränderung im BRCA1- oder BRCA2-Gen. Betroffene Frauen haben insbesondere ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung stark erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Auch bei männlichen Anlageträgern besteht ein etwas erhöhtes Risiko für Brustkrebs sowie für Prostatakrebs. Für Patientinnen mit einer BRCA1/2-Mutation gibt es bereits etablierte Empfehlungen für die Brustkrebsfrüherkennung, zudem besteht die Möglichkeit einer prophylaktischen Entfernung der Eierstöcke bzw. des Brustdrüsengewebes.


Indikation zur molekulargenetischen Diagnostik von BRCA1/2molekulargenetischen Diagnostik von BRCA1/2

In der S3-Leitlinie zum Mammakarzinom wurden die Indikationskriterien für eine Mutationsanalyse der Gene BRCA1 und BRCA2 abhängig vom Erkrankungsalter und der Familienanamnese festgelegt. Wie die Vertreter des Deutschen Brustkrebs-Konsortiums im aktuellen Manual Mammakarzinom des Tumorzentrums München darlegen, ist ergänzend zu diesen Kriterien eine Mutationssuche in BRCA1/2 auch dann indiziert, wenn das Ergebnis entscheidend ist für die Therapieplanung. Dies ist bei folgenden Befunden der Fall:

  • Ovarialkarzinom: Parb-Inhibitoren zugelassen zur Therapie des BRCA1/2-Mutations-positiven Ovarialkarzinoms; Untersuchung von Tumor- und Blut-DNA

  • Triple-negatives Mammakarzinom: Erweiterung der neoadjuvanten Chemotherapie um platinhaltige Substanzen oder Einsatz von Parb-Inhibitoren im Rahmen von Studien bei Nachweis einer BRCA1/2-Mutation; genetische Untersuchung als fast-Track-Diagnostik (i.d. Regel aus Blut-DNA, Ergebnis nach 1-2 Wochen) möglich

  • Mammakarzinom beim Mann: meist fortgeschrittene Karzinome, die eine (neo-)adjuvante Therapie (ggf. erweitert um platinhaltige Substanzen Parb- Inhibitoren im Rahmen von Studien) erforderlich machen

Umfang der molekulargenetischen Diagnostik

Neben den Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 wurden in den letzten Jahren zahlreiche weitere Gene beschrieben, deren Veränderung mit einem deutlich erhöhten Risiko für Brust- und ggf. Eierstockkrebs einhergehen kann. Bei entsprechendem klinischen Verdacht wird die Untersuchung von BRCA1/2 am MGZ deshalb inzwischen standardmäßig über so genannte Gen-Panels durchgeführt, die eine zusätzliche Auswertung weiterer Risikogene für erblichen Brustkrebs (ATM, CDH1, CHEK2, NBN, PALB2, TP53, RAD51C und RAD51D) erlauben.

Untersuchung an Patientenblut oder Tumorgewebe

Grundlage für eine Therapie mit platinhaltigen Chemotherapeutika beim triplenegativen Brustkrebs bzw. mit Parb-Inhibitoren beim Ovarialkarzinom ist das Vorliegen einer BRCA1/2-Mutation im Tumorgewebe. Diese kann entweder vererbt und damit bereits von Geburt an in allen Körperzellen (und damit auch den Tumorzellen) vorhanden sein (sog. Keimbahnmutation) oder aber im Tumorgewebe neu entstanden sein (sog. somatische Mutation). Somatische BRCA1/2-Mutationen finden sich nach derzeitiger Kenntnis in etwa 20 % der serösen Ovarialkarzinome, in Mammakarzinomen stellen sie eine Rarität dar. Die Mutationsanalyse aus Tumorgewebe erfasst
zwar die somatischen BRCA1/2-Mutationen, die im Blut nicht erkannt werden können. Allerdings gibt es aktuell keine technische Möglichkeit aus Tumorgewebe den Verlust oder Zugewinn von größeren DNA Bereiche (Deletionen/Duplikationen) dieser Gene festzustellen. Da diese etwa 25 % aller Mutationen in BRCA1/2 ausmachen, wird durch die Tumoruntersuchung somit ein nicht unerheblicher Anteil der Mutationen übersehen. Bei einer BRCA1/2-Diagnostik zur Therapieplanung bei Ovarialkarzinom ist somit eine synchrone Analyse von Tumor- und Blut-DNA zu erwägen. Angesichts der Seltenheit von BRCA1/2-Mutationen in Mammakarzinomen sollte hier vorrangig eine Untersuchung aus Blut erfolgen.

Erfassung von Familien mit erblichem Brustkrebs

Nach wie vor werden längst nicht alle Familien mit einer erblichen Brustkrebserkrankung erkannt. Entsprechend können die Betroffenen auch nicht von den o.g. Möglichkeiten der engmaschigen Früherkennung oder prophylaktischen Operationen profitieren. Um dies zu verbessern, haben wir einen einfachen Fragebogen für Patienten erstellt, um die häufigsten Hinweise auf erblichen Brustkrebs oder den ebenfalls häufigen erblichen Darmkrebs zu erfassen. Sollte einer dieser Hinweise in der Familie vorliegen, besteht die Möglichkeit, dies im Rahmen einer humangentischen Beratung weiter einschätzen und ggf. eine genetische Diagnostik durchführen zu lassen. Die entsprechende Patienteninformation legen wir Ihnen bei. Bei Interesse schicken wir Ihnen auch gerne weitere Exemplare zu.

Bitte verwenden Sie hierfür die untenaufgeführte FAX-Anforderung.

Wir hoffen, dass diese Informationen für Sie nützlich sind. Wir beraten Sie auch gerne telefonisch, wenn Sie noch Fragen haben oder wir Ihnen bei der Entscheidung zur genetischen Diagnostik im Einzelfall helfen können.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr MGZ-Team

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