Indikation für CFTR-Mutation und PolyT-Trakt (5T-Allel):
Infertilität aufgrund obstruktiver Azoo- oder Oligozoospermie
Partnerin eines von einer CBAVD betroffenen Mannes
Congenitale Bilaterale Aplasie des Vas deferens, CBAVD - CFTR
Klinische Symptomatik
Ca. 2% aller infertilen Männer weisen genetisch bedingte Veränderungen der Samenleiter auf: eine Congenitale Bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD) oder seltener eine Congenitale Unilaterale Aplasie des Vas deferens (CUAVD). Eine Sterilitätsbehandlung kann durch intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) nach einer Hodenbiopsie oder nach Isolierung einzelner Spermien aus dem Ejakulat erfolgen. Dabei ist abzuklären, ob das Paar ein gegenüber der Durchschnittsbevölkerung erhöhtes Risiko für die Geburt eines Kindes mit einer Cystischen Fibrose trägt. Die Aplasie des Vas deferens kann im Rahmen einer Cystischen Fibrose (Männer mit einer Cystischen Fibrose sind infertil, siehe auch Information Cystische Fibrose), als isolierte Auffälligkeit oder mit zusätzlichen Fehlbildungen der Nieren bzw. ableitenden Harnwege auftreten. Im letzten Fall handelt es sich um eine eigenständige genetische Entität.
Genetik
Das für die Cystische Fibrose verantwortliche CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator gene) liegt auf Chromosom 7 (7q31.2). Die Cystische Fibrose (CF, Mukoviszidose) wird autosomal rezessiv vererbt. Eine isolierte CBAVD (ohne gleichzeitige Nierenbeteiligung) stellt eine Abortivform der Cystischen Fibrose dar und ist zu einem Großteil mit Mutationen im CFTR-Gen assoziiert.
Dabei weicht das Spektrum der gefundenen Mutationen deutlich von dem einer typischen CF ab:
- Bei ca. 30% der Männer mit einer CBAVD können zwei Mutationen im CFTR-Gen (F508del in Kombination mit R117H bzw. 5TAllel) nachgewiesen werden
- Bei ca. 13% der Männer kann keine Mutation nachgewiesen werden.
Bei Patienten mit einer R117H Mutation und einem 5-T-Allel muss untersucht werden, ob diese beiden Sequenzveränderungen in cis oder in trans vorliegen. R117H mit dem 5-T-Allel in cis gilt als CF-Mutation, während R117H mit dem 7-T-Allel in cis eher als eine CBAVD-Mutation angesehen wird.
Bei einem Vorliegen des 5-T-Allels ist ebenso die Bestimmung des TG-Polymorphismus im Intron 8 von klinischer Relevanz: In Kombination von TG12 bzw. TG13 in cis mit einem 5-T-Allel muss dies auch ohne Nachweis einer weiteren Mutation als eine leichte CFTR-Mutation angesehen werden.
Bei der Analyse der 35 häufigsten Mutationen mit dem 5-T-Allel liegt die Nachweisrate von Mutationen auf den CFTR-Allelen bei ca. 56%. Durch eine Komplettsequenzierung des CFTR-Gens können bei ca. 87% der Allele von CBAVD-Patienten Mutationen gefunden werden.
Häufigkeit
Ca. jede 22. bis 25. Person der Normalbevölkerung ist gesunder Anlageträger einer Mutation im CFTR-Gen, ca. 5% der Normalbevölkerung tragen ein 5T-Allel. Die Häufigkeiten liegen bei Männern mit CBAVD weitaus höher (siehe oben).
Diagnostik
Stufe 1: Nachweis von 35 Mutationen mittels Oligonukleotide-ligation-assay (OLA) inklusive des 5T-Allels
Stufe 2: Stufendiagnostik: Komplettanalyse des CFTR-Gens mittels DHPLC
2 - 4 ml EDTA-Blut
Stufe 1: 1 - 2 Wochen
Stufe 2: 6 - 8 Wochen
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