O. g. Symptomatik, besonders bei familiärer Belastung
Episodische Ataxie Typ 2 - CACNA1A
Klinische Symptomatik
Die Episodische Ataxie Typ 2 (EA2) manifestiert sich klinisch mit einer paroxysmal auftretenden Gangataxie mit Nystagmus, die Stunden bis Tage anhalten kann und teilweise von Schwindel, Übelkeit und Erbrechen begleitet ist. Es können außerdem Doppelbilder, Tinnitus und migräneartige Kopfschmerzen beklagt werden. Bei einigen Patienten kommt es zu zusätzlichen neurologischen Symptomen, wie einer Dysarthrie, einer Dystonie, oder sogar Hemiplegie. Die Häufigkeit der Episoden reicht von 1-2 Attacken pro Jahr bis hin zu 3-4-Episoden pro Woche. Triggerfaktoren können Stress, Aufregung, Koffein, Alkohol, und Medikamente wie Phenytoin sein. Auspröägung und Häufigkeit der Episoden können teilweise durch Azetazoamid positiv beeinflusst werden. Das cerebrale MRT kann unauffällig sein oder eine Atrophie des Kleinhirnwurms zeigen. Zwischen den Attacken sind die meisten Patienten neurologisch asymptomatisch, bei einigen Patienten kann im Verlauf auch interiktal eine ataktische Symptomatik und ein Nystagmus beobachtet werden.
Genetik
Das
krankheitsverursachende Gen CACNA1A ist auf Chromosom 19
(19p13) lokalisiert. Das Gen selbst kodiert für die alpha-1-Untereinheit eines
spannungsabhängigen P/Q-Typ-Calciumkanals, der vorwiegend im Hirnstamm und in
cerebellären Purkinje-Zellen exprimiert wird. Die alpha-1-Untereinheit ist aus
vier ähnlichen transmembranen Domänen aufgebaut, die die funktionell wichtige
"Ionenpore" des Kanals bilden.
Die episodische Ataxie folgt einem autosomal dominantem Erbgang. Unterschiedliche
Mutationen in CACNA1A rufen ein breites Spektrum an episodischen und
chronisch-progressiven zentralnervösen Symptomen hervor: Mutationen
(insbesondere Missense-Mutationen) im CACNA1A-Gen (FHM1)
sind auch die häufigste Ursache einer FHM (familiären hemiplegischen Migräne)
und finden sich bei ca. 50% aller Patienten bzw. bei bis zu 90% der Patienten
mit einer FHM und begleitenden cerebellären Symptomen.
Zwei andere klinische Phänotypen sind mit unterschiedlichen Mutationstypen im CACNA1A-Gen assoziiert:
Familiäre Hemiplegische Migräne Typ 1 (FHM1)
Spinocerebelläre Ataxie Typ 6 (SCA6)
Häufigkeit
< 1 : 10 000
Diagnostik
Alle Exons sowie deren flankierende Bereiche werden mittels DNA-Sequenzierung untersucht.
Deletionen bzw. Duplikationen eines oder mehrerer Exons werden mittels MLPA erfasst.
2 - 4 ml EDTA-Blut
4 - 6 Wochen
Post oder Kurierdienst
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch unter +49 (0)89/309 08 86-0