Präimplantationsdiagnostik (PID) und Polkörperdiagnostik (PKD)
Klinische Symptomatik
Das
Urteil des Bundesgerichtshofes (AZ: 5 StR 386/09)
vom 6. Juli 2010 zur Präimplantationsdiagnostik (PID) hat bestätigt, dass die Untersuchung von Embryonen für
spezielle genetische Erkrankungen nicht im Widerspruch zum
Embryonenschutzgesetz steht. Diese
Entscheidung eröffnet die Möglichkeit, Untersuchungen von monogenen
Erkrankungen oder chromosomalen Translokationen an pluripotenten Zellen von 5 Tage
alten Blastozysten vornehmen zu können. Mit der PID an Trophoblasten nach einer Trophektodermbiopsie besteht
nun erstmals die diagnostische Möglichkeit, den mütterlichen und
väterlichen Anteil des embryonalen Erbguts zu untersuchen.
Das
Ziel der PID ist, Paaren mit einem hohen genetischen Risiko, den Wunsch nach einem
eigenen mit dieser spezifischen genetischen Disposition nicht behafteten Kind zu
erfüllen.
Grundsätzlich kann eine genetische Untersuchung vor dem Transfer des Embryos in den Uterus an Polkörpern (Polkörperdiagnostik, PKD) oder an Trophoblasten des Trophektoderms an 5 Tage alten Blastozysten erfolgen (Präimplantationsdiagnostik, PID).
Polkörper entstehen bei der Reifung der
weiblichen Eizelle. In der Regel werden zwei Polkörper (1. und 2.
Polkörper) im Rahmen einer Polkörperdiagnostik stellvertretend für das Erbgut
der Eizelle untersucht. Auf diese Weise können schwerwiegende genetische
Erkrankungen oder Chromosomenstörungen, die von der Mutter übertragen werden,
getestet werden. Das väterliche Erbgut kann nicht untersucht werden.
Am Tag 5 nach der Befruchtung ist
die Blastozyste in pluripotente Zellen, den Embryoblasten und den
Trophoblasten, differenziert. Trophoblastenzellen,
die sich zu Chorionzotten entwickeln, können im Rahmen einer Präimplantationsdiagnostik
stellvertretend für die embryonalen Zellen untersucht werden und so den mütterlichen und väterlichen Anteil des embryonalen Erbguts berücksichtigen.
Das Medizinisch Genetischen Zentrum bietet sowohl eine Polkörperdiagnostik für monogen vererbte Erkrankungen an, als auch eine Präimplantationsdiagnostik für monogen vererbte Erkrankungen und für chromosomale Veränderungen (balancierte Translokationen) bei einem der Partner an. Dadurch kann das Vorliegen einer krankheitsverursachenden Mutation oder eines unbalancierten Karyotyps im Embryo festgestellt werden, die zu einer schweren Erkrankung des Kindes oder zu einem frühen Fetozid führen würden.
Ziele der PID oder PKD
- Nachweis oder Ausschluss von genetischen
Veränderungen, die zu schwerwiegenden Erkrankungen führen mit der
Array-CGH-Untersuchung (chromosomale Translokationen) oder der
Mutationsanalyse ausgewählter Gene.
- Nachweis gesunder Embyronen, die
zum Transfer in die Gebärmutter geeignet sind.
- Herbeiführung einer
Schwangerschaft im Rahmen der in-vitro-Fertilisation
Genetische Untersuchungen an
Trophoblastzellen können in Deutschland erst seit Juli 2010 durchgeführt
werden. Die Gesetzeslage ist noch nicht abschließend geklärt, es ist aber davon
auszugehen, dass der Bundestag bis zum Sommer 2011 positiv über die Zustimmung zur
PID für streng ausgewählte Fragestellungen entscheiden wird. Dabei darf eine
PID nur nach Zustimmung eines Ethikrates durchgeführt werden.
Für die im Medizinisch Genetischen Zentrum geplanten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Präimplantationsdiagnostik liegt ein positives Votum der Ethikkommission der Ludwig-Maximilians-Universität vor.
Diagnostik
Methodik
Monogene Erkrankungen
Bei Paaren, die sich aufgrund einer positiven Familienanamnese für
eine schwerwiegende genetische Erkrankung entschieden haben, wird für
jede Mutationsanalyse ein Testsystem etabliert, das die
in der Eizelle oder dem Embryo möglicherweise vorliegende genetische
Veränderung nachweisen kann. Anwendung finden molekulargenetische
Untersuchungsmethoden.
Array-CGH
Bei Trägern einer chromosomalen Translokation wird eine Array-CGH-Untersuchung (24sure+, BlueGnome) an Trophektodermzellen durchgeführt. Bei
der Array-CGH-Diagnostik wird das Erbgut der Zellen der Blsatozyste mit einem
zweiten Erbgut verglichen, das als Referenz dient. Auf diese Weise können
Verluste (Deletionen) als auch Zugewinne (Duplikationen) von Bereichen der Chromosomenabschnitten
oder ganzer Chromosomen nachgewiesen werden.
Material
Trophoblastenzellen nach Trophektodermbiopsie 5 Tage alter Blastozysten
1. und 2. Polkörper nach Isolierung aus der Eizelle
Dauer
18 Stunden nach Probenerhalt
Wichtiger Hinweis:
Wir bitten um Ankündigung der Diagnostik mehrere Wochen vor der geplanten IVF, um den zeitlichen Ablauf und die Etablierung des Testsystems mit Ihnen zu besprechen.
Beratung
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch unter +49 (0)89/309 08 86-0