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Coffin-Lowry-Syndrom

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Das Coffin-Lowry-Syndrom ist ein Dysmorphiesyndrom, das bei männlichen Betroffenen mit einer meist schweren mentalen Retardierung einhergeht. Der Phänotyp im weiblichen Geschlecht variiert sehr stark und reicht von fehlenden Auffälligkeiten über leichtere Dysmorphien oder Entwicklungsverzögerung bis hin zur voll ausgeprägten Symptomatik.

Betroffene Jungen sind in der Regel postnatal kleinwüchsig mit einer Körpergröße unter der 3. Perzentile und häufig mikrozephal. Das cMRT kann erweiterte Ventrikel, seltener eine Balkenhypoplasie oder –agenesie zeigen. Bei profunder Entwicklungsverzögerung sind die Patienten meist vom Wesen her freundlich, auch wenn Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Selbstverletzungen) beschrieben werden.

Im späteren Kindes- bis Jugendalter entwickeln 20 % der Betroffenen sog. SIDEs (stimulus induced drop attacks). Es handelt sich hier um kurze Muskelhypotonien der unteren Extremität, ausgelöst durch Aufregung, taktile oder auditive Stimuli; betroffene Kinder fallen hin, werden aber nicht bewußtlos. Im Krankheitsverlauf können weitere neurologische Auffälligkeiten wie Myoklonien, Epilepsien oder eine beinbetonte Spastik hinzukommen. Die charakteristischen fazialen Dysmorphien sind oft erst im Jugendalter voll ausgeprägt. Insgesamt ist mit dem Alter eine zunehmende körperliche Symptomatik, insbesondere eine progressive Kyphoskoliose, zu beobachten.

Dysmorphologische Auffälligkeiten
  • Fazial
    • Prominente Supraorbitalregion, Augenbrauen und Stirn; Hypertelorismus mit nach außen unten abfallenden Lidachsen, seltener normale Orbitalregion mit mildem Telekanthus
    • Niedriger, breiter Nasenrücken, prominente Nasenspitze und Septum
    • Großer Mund, meist offen mit prominenter Unterlippe, Hypo- und Dysodontie.
  • Extremitäten
    • Kleinwuchs (< 3 %)
    • kurze Hände, manchmal Vierfingerfurche, dicke und teigig wirkende Handflächen, Finger proximal dick und nach distal verjüngt, kurze Endphalangen mit kleinen Fingernägel
    • Skelett: häufig Pectus carinatum und/oder excavatum, Kyphoskoliose bereits in der Kindheit, progredient.

Genetik

Das Coffin-Lowry-Syndrom wird X-chromosomal vererbt. Das bei dieser Erkrankung veränderte Gen RPS6KA3 (ribosomal protein S6 kinase) befindet sich in der Region Xp22.12.

Bisher kann bei 35-40 % der Patienten eine Mutation nachgewiesen werden. Die bisher identifizierten Mutationen sind über alle 22 Exons des Gens verteilt. Bei ca. 70 % der Betroffenen mit bekannter Mutation liegt eine Neumutation vor. Meistens finden sich trunkierende Mutationen, in Einzelfällen wurden missense-Mutationen mit isolierter, teilweise nur milder mentaler Retardierung, beschrieben.

Selten kommen auch größere Deletionen oder Duplikationen vor. Mutationsraten hierzu sind noch nicht bekannt.

Häufigkeit

< 1 : 10 000

Indikation
  • Vorliegen der oben beschriebenen Symptome
  • Analyse des Überträgerstatus in Risikofamilien
  • Pränataldiagnosik bei nachgewiesenem Überträgerstatus der Mutter
Methodik Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.