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Hochrisikogene BRCA1 und BRCA2

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Etwa 5% aller Mammakarzinome sind Folge einer Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen. Das durch den Gendefekt verursachte Krankheitsbild wird im deutschen Sprachraum als „familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom“ bezeichnet (engl. Hereditary Breast and Ovarian Cancer, HBOC). Sowohl eine auffällige Familienanamnese sowie zu einem gewissen Grad auch bestimmte histopathologische Befunde (z.B. Grading G3, "triple-negative" Tumore) können auf eine hereditäre Brustkrebserkrankung hinweisen.

Die Anlageträgerfrequenz für eine Mutation entweder in BRCA1 oder BRCA2 wird für unsere Bevölkerung mit 1:400 angegeben.

Klinische Symptomatik

Typisch für das HBOC sind:

  • eine familiäre Häufung BRCA-assoziierter Tumore (insbesondere Mamma- und Ovarialkarzinom)
  • ein durchschnittlich jüngeres Erkrankungsalter gegenüber der Allgemeinbevölkerung
  • ein hohes Risiko für Zweitkarzinome.

Neben der Risikoerhöhung für gynäkologische Tumorerkrankungen ist auch ein etwas erhöhtes Risiko für Prostata- und Pankreaskarzinome beschrieben.

Karzinom

Risiko Allgemeinbevölkerung

BRCA1

BRCA2

Brust Frau

12%

50-80%

40-70%

Ovarien

1-2%

24-40%

11-18%

Brust Mann

0,1%

1-2%

5-10%

Prostata

15%

< 30%

>39%

Pankreas

0,5%

1-3%

2-7%

Die Inzidenz für Brustkrebs und Eierstockkrebs ist auch bei Frauen mit BRCA1/2-Mutation altersabhängig. Bei BRCA1-Mutationen liegt das Brustkrebsrisiko ab dem 40 LJ. bei ca. 3%/Jahr, mit Ausnahme einer besonders vulnerablen Phase zwischen dem 45. und 49. LJ. Außerdem haben Frauen mit BRCA1-Mutation das höchste Risiko für unabhängige Zweitkarzinome (>30% innerhalb von 15 Jahren nach Ersttumor). Das Ovarialkarzinomrisiko steigt erst etwas später an (ab dem ca. 40. Lebensjahr). Bei BRCA2-Mutationen steigt das Brustkrebsrisiko mit zunehmendem Alter permanent an. Das Risiko für ein Ovarialkarzinom scheint ab dem 60. LJ. wieder abzunehmen.

Männer mit einer Mutation in einem der Gene BRCA1 oder BRCA2 haben gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für Prostatakarzinome und sollten über die Möglichkeiten des Prostatakarzinom-Screenings (bereits ab dem 40. LJ.) informiert werden. Darüber hinaus haben Männer mit einer BRCA2-Mutation ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (Risiko 6%). Bei Männern mit einer BRCA1-Mutation liegt das Brustkrebsrisiko bei 1-2 %.

Da Männer mit einer BRCA1/2-Mutation jedoch in der Mehrzahl nicht an einem Tumor erkranken, lässt der Stammbaum allein oft keine eindeutigen Rückschlüsse bezüglich einer familiären gynäkologischen Tumorerkrankung zu.

Ausführliche Informationen zu klinischer Symptomatik, Erkrankungswahrscheinlichkeiten und Vorsorgeempfehlungen finden Sie in den Fachinformationen Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom.

Kriterien an die Indikationsstellung gemäß Qualitätssicherungsvereinbarung Molekulargenetik (Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V)

Indikation zur Analyse der Gene BRCA1 und BRCA2

Eines der folgenden Kriterien sollte erfüllt sein

  • mind. drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter
  • mind. zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine jünger als 50 Jahre
  • mind. eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag
  • mind. eine Frau jünger als 50 Jahre mit beidseitigem Brustkrebs
  • mind. eine Frau mit Brustkrebs und eine Frau mit Eierstockkrebs oder eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs
  • mind. zwei Frauen mit Eierstockkrebs
  • ein Mann mit Brustkrebs sowie zusätzlich eine weitere Person mit Brust- oder Eierstockkrebs

Eine genetische Analyse der Gene BRCA1 und BRCA2 sollte im Rahmen einer humangentischen Beratung durch einen Facharzt für Humangenetik erfolgen.

Fast-Track-Analyse

Bei Planung einer neoadjuvanten Chemotherapie in Abhängigkeit vom BRCA1/BRCA2-Mutationsstatus bieten wir für die Gene BRCA1 und BRCA2 eine »Fast-Track«-Genanalyse mit einer Analysezeit von 2 Wochen an.

Um eine mögliche Fast-Track Analyse anzufordern, bitten wir Sie dies durch einen Vermerk auf unserem Anforderungsbogen zu kennzeichnen.

 

Genetik

Das Gen BRCA1 liegt auf Chromosom 17 (17q21) und umfasst 22 Exons, während das Gen BRCA2 auf Chromosom 13 (13q12) kartiert und 27 Exons umfasst. Beide Gene sind an DNA-Reparaturmechanismen beteiligt und gehören zur Gruppe der Tumorsuppressor-Gene.

Falls eine Genanalyse bei keiner betroffenen Person in der Familie möglich ist, kommt die primäre Analyse einer gesunden erstgradig Verwandten nur dann in Betracht, wenn das Lebensrisiko für Brustkrebs > 30% oder das Heterozygotenrisiko >20% beträgt (kalkuliert mit Cyrillic). Die weitgehende Beschränkung des Gentest-Angebots auf Erkrankte liegt darin begründet, dass die Aussagekraft negativer Ergebnisse bei Nichterkrankten gering ist. Die Frage, ob eine BRCA-Mutation in der Familie krankheitsverursachend war, wird dabei nicht beantwortet. Daher bedeutet ein unauffälliges Testergebnis bei einer Nichterkrankten keinen Risikoausschluss sondern lediglich eine Risikoreduktion für die getestete Person und deren Nachkommen. Für weitere Familienangehörige (beispielweise Geschwister der getesteten Person) lassen sich durch das Ergebnis hingegen keine Risikoeinschätzungen ableiten.

Methodik Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.