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Muskeldystrophie Duchenne und Becker-Kiener

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Jungen mit einer Muskeldystrophie Duchenne (DMD) fallen zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr durch verzögertes Laufen, unsicheren Gang, Stolpern und Schwierigkeiten beim Rennen und Treppensteigen auf. Der Muskelschwund verknüpft mit einer Pseudohypertrophie der Waden und einer CK-Wert Erhöhung (ab Geburt deutlich erhöht) beginnt an der unteren Extremität, in den späteren Krankheitsstadien mit Myocardbeteiligung. Entwicklungsverzögerung oder eine mentale Retardierung können vorliegen

Die Muskeldystrophie Becker-Kiener (BMD) nimmt einen ähnlichen, jedoch wesentlich milderen und langsameren Verlauf (meist keine mentale Retardierung). Eine Herzmuskelbeteiligung in jungen Jahren wird nur selten beobachtet, nach dem 10. Lebensjahr oder in späteren Krankheitsstadien liegt häufig eine Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz vor. In seltenen Fällen kann eine dilatative Kardiomyopathie im Vordergrund stehen oder das einzige Symptom sein.

Aktuelle Information zum klinischen Management (Standards of Care, Patienten-Register und geplante Therapiestudien) finden sich unter http://www.treat-nmd.eu.

Genetik

Die Erkrankung wird X-chromosomal rezessiv (Gen DMD, Chromosom Xp21.2) vererbt und betrifft fast ausschließlich das männliche Geschlecht. Ca. 1/3 der Betroffenen erkrankt aufgrund einer Neumutation, in den restlichen Fällen ist die Mutter weitestgehend symptomlose Überträgerin (Konduktorin, Carrier) der Erkrankung.

Weibliche Anlageträgerinnen können milde Manifestation mit Muskelschwäche, Myalgien und/oder CK-Erhöhung aufweisen. Insbesondere für Überträgerinnen einer DMD besteht das Risiko für eine dilatative Kardiomyopathie (ca. 8 %). Für Mütter von betroffenen Knaben, bei denen keine Anlageträgerschaft vorliegt, besteht für eine künftige Schwangerschaft ein Wiederholungsrisiko. Dieses Wiederholungsrisiko beruht auf der Möglichkeit eines Keimzellmosaikes (Wahrscheinlichkeit ca. 20 %).

Klinik

Männlich, betroffen Klinische Manifestation Serum CK-Konzentration
DMD 100 % > 10 fach erhöht
BMD 100 % > 5 fach erhöht
DMD-abhängige
dilatative Kardiomyopathie
meistens erhöht
Weiblich, Anlageträgerin    
DMD ca. 60 % 2 - 10 fach erhöht
BMD ca. 30 % 2 - 10 fach erhöht


Verteilung der Mutationshäufigkeiten

Mutation

DMD

BMD

Deletion ca. 65 % ca. 85 %
Duplikation 7 - 10 % 6 - 10 %
Punktmutation 25 - 30 % 5 - 10 %
Häufigkeit
  • DMD 1 : 3 500 im männlichen Geschlecht
  • BMD 1 : 20 000 im männlichen Geschlecht
Indikation
  • Diagnosesicherung einer Dystrophin-abhängigen Muskeldystrophie
  • Untersuchung des Überträgerinnenstatus bei Frauen aus betroffenen Familien
Methodik Einzelgen-Analyse
Sequenzanalyse mittels NGS (kodierende und angrenzende Bereiche)

MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.