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Myoklonusepilepsie mit Ragged Red Fasern (MERRF)

Klinische Symptomatik

Patienten mit MERRF-Syndrom (Myoklonusepilepsie mit Ragged Red Fasern) leiden charakteristischerweise an einer Myoklonusepilepsie (Myoklonien, fokale und generalisierte Anfälle), die sich typischerweise in der 2. bis 3. Lebensdekade manifestiert. Häufige neurologische Auffälligkeiten im Verlauf sind eine mitochondriale Myopathie, sensorineurale Schwerhörigkeit, cerebelläre Ataxie und Demenzentwicklung. Andere Manifestationen können Kleinwuchs, Optikusatrophie, Kardiomyopathie und gelegentlich Pigmentretinopathie oder kutane Lipome sein.

Interindividuell zeigt sich eine hohe Variabilität im Hinblick auf die Schwere der Erkrankung. Typisches histologisches Korrelat dieser mitochondrialen Erkrankung im Muskel ist die "ragged red fiber" (RRF), eine Muskelfaser, die ultrastrukturell eine Akkumulation veränderter Mitochondrien aufweist.

Genetik

Die häufigste Ursache des MERRF-Syndroms ist die m.8344A>G Mutation im Gen MT-TK (mtDNA tRNALys). Die Mutation wird maternal vererbt. Daneben gibt es progressive Myoklonusepilepsien mit oder ohne RRFs, die mit weiteren Mutationen in der mtDNA assoziiert sein können (z. B. MT-ND-Gene, weitere tRNA-Gene). Autosomal vererbte Mutationen des nukleär kodierten Gen POLG wurden bei Patienten mit typischem MERRF-Syndrom ebenfalls beschrieben. Bei diesen Patienten findet man häufig multiple mtDNA-Deletionen in der Muskel-DNA.

Häufigkeit

In einer finnischen Studie ist die Prävalenz für die m.8344A>G-Mutation mit 0 - 1,5 : 100 000 angegeben, in einer epidemiologischen Studie in Nord-Ost England mit 0 - 0,25 : 100 000.

Indikation

V. a. MERRF

Methodik Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

SNaPshot oder Restriktions-Fragmentlängen-Polymorphismus-Analyse

Methoden zur Detektion bzw. Quantifizierung von Einzelnukleotidpolymorphismen (SNPs) / Mutationen


Sequenzanalyse, Hotspots

Sequenzanalyse der häufigen Mutationen eines Gens, z.B. als 1. Stufe einer Stufendiagnostik


MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Southern Blot-Analyse

Methode zur Analyse genomischer DNA, z.B. zur Detektion von Deletionen, von Repeatverlängerungen, Bestimmung des Methylierungsstatus, auch quantitativ möglich


Agarose-Gelelektrophorese

Methode zur Auftrennung von DNA- / PCR-Fragmenten, z.B. zum Nachweis von Duplikationen, Deletionen, Repeatverlängerungen, oder zur Bestimmung der DNA-Qualität


Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Muskel-DNA
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.