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Neuroakanthozytose-Syndrome

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Die Neuroakanthozytose-Syndrome bilden eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen die durch eine Kombination von neurologischen Symptomen und morphologisch veränderten Erythrozyten (Akanthozyten, „Stechapfelform") gekennzeichnet sind.

Die Chorea-Akanthozytose (ChAc)

  • manifestiert sich meistens in der dritten bis fünften Lebensdekade mit Bewegungsstörungen (Chorea, seltener Parkinsonismus).  Charakteristisch ist im Verlauf eine oro-fazial ausgeprägte Dystonie, die zu Dysarthrie und ausgeprägter Dysphagie führt. Die Nahrung wird durch die Zunge regelrecht wieder ausgeworfen, so dass viele Patienten Gewicht verlieren. Charakteristisch sind weiterhin unwillkürliche Lippen- und Zungenbisse. Einige Patienten leiden unter vokalen Tics, bei der Hälfte der Patienten besteht eine Epilepsie, die auch Erstsymptom sein kann. Im Verlauf kommt es bei den meisten Patienten zu einer kognitiven Beeinträchtigung oder Persönlichkeitsveränderung bzw. einer psychiatrischen Symptomatik. In der kranialen Bildgebung findet sich eine Atrophie der Nuclei caudati bei Dilatation der Seitenventrikel im Bereich des Vorderhorns.
  • Eine neuromuskuläre Beteiligung mit Myopathie und axonaler Neuropathie zeigt sich in Reflexabschwächung, atrophischen Paresen und CK-Erhöhung.
  • Durch eine gezielte Untersuchung lassen sich meistens im Blutausstrich deformierte Erythrozyten (Akanthozyten) nachweisen. Eine Westernblot-Diagnostik (Nachweis einer Chorein-Defizienz) aus EDTA-Blut ist zur Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose möglich (weitere Information unter http://www.euro-hd.net/html/na/submodule).

Mit Bewegungsstörungen und Tics stellt die Chorea-Akanthozytose eine Differentialdiagnose zu Chorea Huntington oder dem Tourette-Syndrom dar. Beim Vorliegen von Akanthozyten ist differentialdiagnostisch an das  McLeod-Syndrom zu denken.

Das McLeod-Syndrom

ist eine Multisystemerkrankung, die der Chorea-Akanthozytose klinisch sehr ähnlich ist. Als X-chromosomale Erkrankung manifestiert sie sich in klassischer Form überwiegend bei männlichen Patienten:

  • ZNS-Manifestation: Neurodegenerative Basalganglienerkrankung mit choreatiformen Bewegungsstörungen, kognitiver Beeinträchtigung und psychiatrischen Symptomen. In 20-40% kommt es zu generalisierten Krampfanfällen.
  • Neuromuskuläre Manifestation, kann subklinisch oder sehr milde verlaufen. Mögliche Symptome sind sensorimotorische Neuropathie, Muskelschwäche und Atrophien (bei Männern oft erhöhte CK-Werte).
  • Kardiale Manifestation (im Verlauf bei bis zu 60% der Patienten, damit wesentlich häufiger als bei der Chorea Akanthozytose): Dilatative Kardiomyopathie und Arrhythmien
  • Hämatologische Manifestation:  Charakteristisch für die Erkrankung ist die McLeod-Blutgruppe (Fehlen des Kx Erythrozyten-Antigens und abgeschwächte Expression der Kell-Blutgruppenantigene) mit daraus resultierender Akanthozytose und Hämolyse.

Genetik

Die Chorea-Akanthozytose folgt einem autosomal-rezessiven Erbgang. Das ursächliche Gen VPS13A (vacuolar protein sorting 13, yeast, homolog of, A) auf Chromosom 9q21 kodiert für das Protein Chorein, welches eine Rolle im intrazellulären Protein-Verkehr spielt.

Das McLeod-Syndrom folgt einem X-chromosomalen Erbgang, ursächlich liegen der Erkrankung Veränderungen im Gen XK zugrunde. Weibliche heterozygote Trägerinnen sind meistens asymptomatisch, können jedoch auch (in der Regel in milder Ausprägung) klinisch manifest werden.

Methodik Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

Einzelgen-Analyse
Sequenzanalyse mittels NGS (kodierende und angrenzende Bereiche)

MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.