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Paroxysmale kinesigene Dyskinesie (PKD)

Untersuchte Gene

Synonyme

PRRT2-assoziierte paroxysmale neurologische Störungen: Benigne Familiäre Infantile Epilepsie (BFIE) • Infantilen Konvulsionen mit Paroxysmaler Choreoathetose (ICCA) • Paroxysmale kinesigene Dyskinesie (PKD)

Klinische Symptomatik

Mutationen des Gens PRRT2 wurden als Ursache verschiedener paroxysmaler (anfallsartiger) neurologischer Störungen beschrieben:

  • als benigne familiäre infantile Epilepsie (BFIE): Anfallsmanifestation meist zwischen 4. und 12. Lebensmonat. Unauffällige psychomotorische Entwicklung, gutes Ansprechen auf antikonvulsive Therapie und meist spontanes Sistieren der Anfälle um das zweite Lebensjahr. Unterschiedliche Anfallsformen, afebrile einfache, komplex-partielle oder generalisierte tonisch-klonische Anfälle.
  • als paroxysmale kinesigene Dyskinesie (PKD): Die PKD oder paroxysmale Choreoathetose ist eine Bewegungsstörung, die zu den paroxysmalen (anfallsartigen) Dyskinesien zählt. Auslösende Situation für die anfallsartig auftretende und nach Sekunden bis Minuten spontan sistierende, unwillkürliche Bewegung können plötzliche Bewegungen nach körperlicher Ruhe sein, Aufstehen aus dem Sitzen, Geschwindigkeitswechsel beim Gehen oder Erschrecken sein. „Auraähnliche“ Vorgefühle können einer Attacke vorangehen. Das Bewußtsein ist erhalten. Erstmanifestation Kindheit bis Erwachsenenalter. In der Regel Ansprechen auf Therapie mit Antiepilepika.
  • als infantile Convulsionen mit paroxysmaler Choreoathetose (ICCA): Dieses Syndrom bezeichnet das gemeinsame Auftreten von BFIE und PKD bei einem Patienten bzw. in einer Familie.

Neben den oben genannten drei „Kernphänotypen“ wurden weitere neurologische Störungen assoziiert mit PRRT2-Mutationen beschrieben:

  • familiäre Migräne: In einzelnen Familien konnten PRRT2-Mutationen auch als Ursache einer familiären hemiplegischen Migräne (FHM) bzw. einer episodischen Ataxie oder einer Migräne mit Aura identifiziert werden. Im Gegensatz zu den oben genannten Phänotypen (BFIE, PKD und ICCA) lässt sich offenbar aber nur ein kleiner Teil der Familien mit einer isolierten hemiplegischen Migräne durch PRRT2-Mutationen erklären. Häufiger sind Mutationen dagegen in Familien, in denen eine (hemiplegische) Migräne - neben paroxysmalen Bewegungsstörungen oder einer Epilepsie - nur ein Teil des klinischen Spektrums war.
  • Andere Epilepsiephänotypen: Teilweise wurden in PRRT2-Familien unter den Familienangehörigen auch Mutationsträger mit anderen Epilepsiephänotypen – wie Fieberkrämpfen oder Absence-Epilepsien - identifiziert.

Der Krankheitsverlauf innerhalb einer Familie kann jeweils sehr variabel sein, eine inkomplette Penetranz ist beschrieben. Teilweise finden sich Familien, in denen verschiedene der oben genannten Manifestationsformen gemeinsam auftreten, manchmal auch bei ein und demselben Patienten.

Genetik

Die drei Phänotypen (BFIE, PKD und ICCA) wurden in der Vergangenheit mehrfach durch Linkage-Analysen in die perizentromerische Region des Chromosoms 16 kartiert. Der Mutationsnachweis in PRRT2 in vielen Familien bestätigte die bereits vermutete gemeinsame genetische Ätiologie.

Das Gen PRRT2 auf Chromosom 16p11.2 kodiert für ein Protein, das im Gehirn exprimiert wird und dort in die Neurotransmitterfreisetzung der präsynaptischen Membran involviert ist, ohne dass der genaue Pathomechanismus bislang verstanden ist, der auch die phänotypische Variabilität erklären könnte. Bei der Mehrzahl der Mutationen handelt es sich um trunkierende Mutationen, die eine Haploinsuffizienz vermuten lassen. Bislang gibt es keine Genotyp-Phänotyp Korrelation zwischen einzelnen PRRT2-Mutationen und den verschiedenen klinischen Phänotypen. In vielen Familien wurde die in einem Poly-C-Stretch lokalisierte Frameshift Mutation c.649-650insC; p.Arg217Profs*7 identifiziert. Die Erkrankung folgt einem autosomal dominanten Erbgang mit unvollständiger Penetranz. Neumutationen sind mehrfach beschrieben und erklären sporadisch auftretende Fälle.

Indikation

Benigne familiäre infantile Epilepsie (BFIE), paroxysmale kinesigene Dyskinesie (PKD), infantile Convulsionen mit paroxysmaler Choreoathetose (ICCA), Familiäre hemiplegische Migräne (FHM)

Methodik Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.