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Periodische Paralyse

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Die periodischen Paralysen sind autosomal dominant erbliche Erkrankungen, die auf genetischen Veränderungen muskulärer Natrium-, Kalium- oder Kalziumkanäle beruhen. Sie sind charakterisiert durch eine episodisch auftretende Muskelschwäche, die mit einer Veränderung des Serum-Kaliumspiegels einhergehen kann (hyperkaliämische/hypokaliämische Periodische Paralysen). Eine klinische Differenzierung anhand des Serumkaliumwertes, der während des Auftretens von Symptomen bestimmt werden muss, ist nicht immer eindeutig richtungsweisend.

Hyperkaliämische periodische Paralyse (HYPP)

Klinische Leitsymptome sind episodische Phasen einer Muskelschwäche oder -Lähmung (Minuten bis zu 2 Stunden), oft in Ruhephase nach starker Muskelaktivität oder provoziert durch kaliumreiche Nahrung, Fasten, Alkohol oder Kälte, laborchemisch begleitet von einer Erhöhung des Serumkaliums. Die Erstmanifestation liegt typischerweise in der 1.-2. Lebensdekade, elektrophysiologisch zeigt sich eventuell ein myotones Syndrom.

Hypokaliämische periodische Paralyse Typ 2 (HOKPP)

Episodisch auftretende Lähmungserscheinungen, die häufig morgens auftreten, häufig nach körperlicher Anstrengung am Vortag, nach kohlenhydratreicher Mahlzeit oder Kälte-getriggert. Manche Patienten wachen morgens paretisch auf. Die Muskelschwäche ist oft länger anhaltend als bei der HYPP (über eine bis mehrere Stunden bis zu Tagen). Üblicherweise findet sich keine Myotonie. Laborchemisch kann während der Symptomatik eine Erniedrigung des Serumkaliums nachweisbar sein. Die Erstmanifestation liegt in der 2.-3. Lebensdekade; bei älteren Patienten kann sich eine permanente Muskelschwäche entwickeln, die als proximale Myopathie imponiert. Insgesamt ist die HOKPP häufiger als die HYPP.

Genetik

Die Hyperkaliämische periodische Paralyse (HYPP) beruht auf Veränderungen des muskulären Natriumkanals. Das ursächliche Gen SCN4A liegt auf Chromosom 17q23.3 und kodiert für die alpha-Untereinheit des spannungsabhängigen muskulären Natriumkanals. Abhängig von Art, Lokalisation und funktionellen Konsequenzen der jeweils zugrundeliegenden Mutation können Gain-of-function-Mutationen in SCN4A zu unterschiedlichen klinischen Phänotypen führen und sich sowohl unter dem Bild einer periodischen Paralyse als auch einer Myotonie manifestieren. Teilweise findet man auch klinische Überlappungen dieser beiden Krankheitsbilder. Durch eine Sequenzanalyse des Gens SCN4A lassen sich Mutationen bei ca. 80 % der betroffenen Patienten identifizieren.

Häufigste Ursache der HOKPP sind Mutationen des muskulären Kalziumkanals (Gen CACNA1S); hier finden sich bei ca. 60 % der Patienten ursächliche Mutationen. Als zweithäufigste Ursache bei ca. 10 % der Patienten sind Mutationen des muskulären Natriumkanals (Gen SCN4A) bekannt. Sehr selten beschrieben sind Mutationen in einem muskulären Kaliumkanal (Gen KCNE3).

Methodik MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Sequenzanalyse, Hotspots

Sequenzanalyse der häufigen Mutationen eines Gens, z.B. als 1. Stufe einer Stufendiagnostik


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.