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Rett-Syndrom

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Das 1966 erstmals beschriebene Rett-Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen einer schweren mentalen Retardierung bei Mädchen. Nach einer häufig weitgehend unauffälligen Entwicklung in den ersten 6 bis 8 Lebensmonaten kommt es zum Entwicklungsstillstand und zum Verlust bereits erworbener Fähigkeiten, wie der Sprache oder des sinnvollen Gebrauchs der Hände (stereotype Handbewegungen, sog. „Waschbewegungen“). Die Entwicklungsstörung des ZNS führt zu einer zunehmenden Mikrozephalie mit schwerer mentaler Retardierung und sozialem Rückzug. Ataxien und Schlafstörungen können auftreten. Viele Kinder weisen eine vegetative Symptomatik auf, die vor der Manifestation der typischen Symptome auftreten kann. Hierzu gehören Obstipation, kalte Hände und Füße, Hypo- oder Hyperventilation. Im späteren Krankheitsverlauf können Schreianfälle aufgrund einer Schmerzsymptomatik ohne organischen Befund auftreten. Ca. 1/3 der Betroffenen entwickeln eine Epilepsie, nahezu alle Patientinnen weisen interiktale EEG-Veränderungen auf. Krankheitsbeginn und -verlauf bzw. die Ausprägung der einzelnen Symptome können individuell stark variieren.

Genetik

Ursache des Rett-Syndroms sind Mutationen und Deletionen im Gen MECP2 (Methyl-CPG-binding-protein 2) auf Xq28. Der Erbgang ist X-chromosomal dominant, d. h. eine Mutation bzw. Deletion auf einem der beiden elterlichen X-Chromosomen führt bei Mädchen zum Auftreten des Rett-Syndroms.

Lange galt eine im männlichen Geschlecht vorliegende Mutation als intrauterin letal. In jüngster Zeit wurden auch bei Knaben Mutationen in MECP2 mit einer sehr variablen Symptomatik gefunden, die von einer mentalen Retardierung ohne typische Rett-Symptome bis zu einer schweren, früh letalen Enzephalopathie reicht.

Häufigkeit

Im weiblichen Geschlecht ca. 1 : 10 000 - 1: 15 000, aufgrund der Varianz des klinischen Phänotyps vermutlich deutlich höher.

Indikation
  • Mädchen mit o. g. klassischen Verlauf oder abgeschwächter Symptomatik und kongenitalen Formen
  • Schwere Enzephalopathie
  • Ungeklärte Retardierung bei Knaben
  • Mütter von betroffenen Mädchen mit nachgewiesener Mutation
Stufendiagnostik
MLPA
Multiplex ligation dependent probe amplification, Kopienzahlanalyse
 
Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse des gesamten Gens (kodierende und angrenzende Bereiche)
 
Next Generation Sequencing (NGS)
Methode zur parallelen Sequenzierung vieler Gene (Gen-Panel-Analyse) bzw. des gesamten Exoms oder Genoms,  *siehe Diagnostik/Gen Panels
Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.