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Sichelzellanämie

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Die Sichelzellanämie manifestiert sich in der Regel ab dem 3. bis 4. Lebensmonat mit Blässe und Ikterus und ist durch zwei Symptomenkomplexecharakterisiert:
  • Die besonders unter Sauerstoffentzug verstärkte Aggregationsneigung der Hämoglobinmoleküle führt zu der charakteristischen Sichelform der Erythrozyten und über die damit verbundene Störung der Mikrozirkulation zur Gefäßverschlusskrankheit. Anfallsweise auftretende Gefäßverschlusskrisen äußern sich in heftigen Schmerzen und Schwellungen der betroffenen Körperregionen (Hand-Fuß-Syndrom, Knochen und Gelenke, abdominelle Krisen, Lungeninfarkte, ZNS-Krisen und Nierenschäden).
  • Durch die Sichelform verlieren die Erythrozyten ihre Flexibilität und werden in Leber und Milz sequestriert (chronisch-hämolytische Anämie), wobei es zur Ansammlung großer Blutmengen in der Milz und zu schockartigen Zuständen kommen kann. Wiederholte Infarzierung der Milz führt zur funktionellen Asplenie und in der Folge zu schweren bakteriellen Infekten. Bei Betroffenen finden sich in der Hb-Elektrophorese sehr hohe HbS-Werte. Kompensatorisch kann HbF gebildet werden, was die Symptomatik abmildert.

Genetik

Die Sichelzellanämie wird autosomal rezessiv vererbt und durch eine Mutation im Gen HBB (Hämoglobin ß) auf Chromosom 11p15.5 verursacht. Es handelt sich hierbei um eine Punktmutation im Codon 6 des Gens HBB, wodurch es zum Austausch der Aminosäure Glutamin gegen Valin kommt. Meist liegt eine Homozygotie für diese Punktmutation vor.

Eine Compound-Heterozygotie mit obiger Mutation und einem anderen Aminosäurenaustausch an der gleichen Position (Glu –> Lys) zeigt in der Regel eine etwas mildere Symptomatik (sog. HbSC-Krankheit).

Bei Kombination einer heterozygoten HbS-Mutation mit weiteren Mutationen im ß-Globin-Gen oder anderen Hämoglobinopathien ergibt sich ein variables Spektrum der Symptomatik. Eine alleinige Heterozygotie für HbS besitzt keinen Krankheitswert.

Häufigkeit
  • Regional sehr unterschiedlich
  • Heterozygotenfrequenz in der afrikanischen Bevölkerung bis zu 1 : 3
Indikation
  • Diagnosesicherung bzw. Identifizierung der Mutation bei o. g. Symptomen
  • Heterozygotendiagnostik für Partner und Familienangehörige von Betroffenen mit Sichelzellanämie und ß-Thalassämie
  • Pränatale Diagnostik bei bekanntem Risiko, insbesondere für Geschwisterkinder eines betroffenen Kindes
Methodik Sequenzanalyse, gezielt
Sequenzanalyse einer oder mehrerer Mutationen / unklarer Sequenzvarianten eines Gens

Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.