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Adenomatöse Polyposis coli, FAP - APC
Klinische Symptomatik
Die
klassische, autosomal dominant vererbte Familiäre Adenomatöse Polyposis coli
(FAP) ist durch das Auftreten multipler (mehr als 100) kolorektaler Adenome (Polypen) - insbesondere im distalen
Dickdarmbereich – gekennzeichnet, als obligate Präkanzerose ist mit einem
praktisch 100 %-igen Entartungsrisiko der Adenome zu rechnen. Die Adenome
können auch im Duodenum und hier speziell an der Papilla Vateri auftreten.
Bei 40 % der Patienten finden sich Drüsenkörperzysten des
Magens, diese tragen kein erhöhtes Entartungsrisiko. 17 % der Patienten weisen
Zahn- und Kieferanomalien, 70 bis 90 % der Patienten weisen Osteome auf. Bei
ca. 50 % der Patienten finden sich Epidermoidzysten der Haut und in ca. 10 %
der Fälle treten Desmoide auf. Die Desmoide finden sich als semimaligne,
verdrängend wachsende Tumore im Bereich von Hautnarben und häufig
intraabdominell im Mesenterium. Selten kommt es auch zu Schilddrüsenkarzinomen,
Hepatoblastomen, Astrozytomen oder Medulloblastomen. 80% der FAP-Patienten
weisen außerdem eine charakteristische Pigmentanomalie der Retina auf, die
kongenitale Hypertrophie des retinalen Pigmentepithels (CHRPE).
Neben der klassischen Manifestation der Erkrankung gibt es
Varianten des Krankheitsbildes. Hier ist vor allem die attenuierte adenomatöse
Polyposis coli (AFAP) zu nennen. Im Gegensatz zur klassischen Form treten hier
die Adenome eher im proximalen Dickdarm auf. Die klinische Manifestation der
klassischen FAP liegt im Alter von 10 bis 30 Lebensjahren, die der attenuierten
FAP kann deutlich später liegen und milder Verlaufen.
Zum Formenkreis der APC-assoziierten Polyposis-Syndrome gehören
auch das Gardner-Syndrom, das neben den adenomatösen Kolonpolypen noch Osteome
und Weichteil-Tumore zeigt, sowie das Turcot-Syndrom, bei dem Tumore des ZNS
(in erster Linie Medulloblastome) auftreten.
Neben diesen autosomal dominant vererbten Polyposis-Syndromen
gibt es eine autosomal rezessive Form der Erkrankung, die durch Mutationen im MUTYH-Gen (siehe
MUTYH-assoziierte Polyposis; MAP) verursacht wird. Bei dieser Form der
Erkrankung kann eine sehr variable Anzahl von Adenomen vorliegen, ebenso kann
das Erkrankungsalter zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr liegen. Die Klink
verläuft im Vergleich zur klassischen FAP etwas milder und beginnt in einem
etwas höherem Lebensalter.
Patienten
mit klassischer Polyposis weisen in ca. 70-80% der Fälle Mutationen im APC-Gen
und in ca. 5-10% Mutationen im MUTYH-Gen auf. Bei der attenuierten Form
finden sich in 30% der Patienten Mutationen im MUTYH–Gen und in 10-22%
der Patienten Mutationen im APC-Gen.
Klassische
FAP (einschliesslich Gardner-/ und Turcot Syndrom):
- Autosomal
dominante Vererbung (70-80 % APC-Gen Mutationen; nur ca.5 % Mutationen
im MUTYH-Gen s. MAP)
- >
100 kolorektale Adenome (distale Betonung) klinische Manifestation zwischen 10
und 30 LJ.
- Duodenumadenome (Papilla Vateri)
- Benigne
Drüsenkörperzysten des Magens (bei ca. 40 %)
- Zahn-
und Kieferanomalien (bei ca. 17 %)
- Osteome
(70 bis 90 % der Patienten)
- Epidermoidzysten
der Haut (ca. 50 % der Patienten)
- Desmoide
(in 10 % der Fälle)
- Selten
auch Schilddrüsenkarzinome, Hepatoblastome v.a. im Kindesalter, Astrozytome
oder Medulloblastome
- 80%
der FAP-Patienten weisen eine charakteristische Pigmentanomalie der Retina auf,
die kongenitale Hypertrophie des retinalen Pigmentepithels (CHRPE)
Attenuierte
FAP (AFAP):
- Autosomal
rezessive Vererbung (MUTYH-Gen ca. 30 %; ca. 10 % Mutationen im APC-Gen)
- variable
Anzahl von Adenomen (proximale Betonung), milderer Verlauf und späteres
Manifestationsalter
- keine
Manifestation außerhalb des Gastrointestinaltraktes beobachtet
Genetik
Die klassische Familiäre Adenomatöse Polyposis coli (FAP) wird
autosomal dominant durch genetische Veränderungen im APC-Gen (Adenomatous
Polyposis of the Colon) auf Chromosom 5 (5q21–q22) vererbt. Das
APC-Protein spielt bei der Hemmung der Wnt / b-Catenin
Signaltransduktions-Kaskade eine entscheidende Rolle. Personen mit einer
Mutation tragen ein praktisch 100 % -iges Risiko für die klinische
Manifestation der Erkrankung. Bei ca. 75 % der Betroffenen lässt sich eine
positive Familienanamnese erheben, die übrigen Erkrankungsfälle werden durch
neu aufgetretene genetische Veränderungen verursacht.
Häufigkeit
1 : 10 000
Diagnostik
Indikation
Die klassische Form der adenomatösen Polyposis coli ist klinisch
eindeutig zu diagnostizieren. Um aber Risikopersonen in der Familie eine
Abschätzung ihres Erkrankungsrisikos oder eine prädiktive molekulargenetische
Diagnostik anbieten zu können, muss der in der Familie vorliegende Erbgang
(dominant oder rezessiv) und die krankheitsverursachende Veränderung bekannt
sein.
Die
attenuierte Verlaufsform ist klinisch schwierig vom HNPCC-Syndrom zu
differenzieren. Hier kann die molekulargenetische Diagnostik einen sehr
wertvollen Beitrag zur Planung des weiteren Vor- und Nachsorgeprogramms bzw.
zur Risikoabschätzung für andere Familienmitglieder leisten.
Methodik
Direkte Diagnostik
- Alle Exons der Gene APC und MUTYH sowie deren
flankierende Bereiche werden mittels High Resolution Melting (HRM) analysiert
und ggf. anschließend sequenziert,
- Deletionen bzw. Duplikationen eines oder mehrerer Exons werden
mittels MLPA erfasst,
- ggf.
Analyse aller Exons des MUTYH-Gens
mittels direkter Sequenzierung
Indirekte Diagnostik:
- Bei klinisch gesicherter FAP,
positiver Familienanamnese und fehlendem Mutationsnachweis ist u. U. eine
Kopplungsuntersuchung zur Identifizierung von Mutationsträgern möglich.