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Chorea Huntington - IT15

Huntingtonsche Erkrankung, HD

Klinische Symptomatik

Die Chorea Huntington (HD, Huntington Disease) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die meist im mittleren Lebensalter beginnt, sich jedoch in jeder Altersstufe manifestieren kann. Im Frühstadium der Erkrankung zeigen sich Bewegungsstörungen (Bewegungsunruhe, Hyperkinesien, unwillkürlich einschießende Bewegungen, besonders im Gesichtsbereich), Konzentrationsstörungen und eine nachlassende körperliche und psychische Belastbarkeit. Die Erkrankung ist progredient und führt zu schweren Dyskinesien, extremer körperlicher Unruhe, Gang- und Sprachstörungen. Es treten eine zunehmende Demenz und Wesensveränderungen (Rückzug, Störungen des Antriebs, Depressionen, aber auch aggressive Verhaltensweisen) auf.

 

Andere hereditäre neurodegenerative Erkrankungen, die mit choreatischen Symptomen einhergehen sind differentialdiagnostisch z. B.

  • Huntington disease-like 1 (HDL1, PRNP-Gen),
  • Huntington disease-like 2 (HDL2, JPH3; insb. bei afrikanischer Abstammung),
  • DRPLA, SCA3, SCA17, FTDP-17
  • Neuroakanthozytose-Syndrom (McLeod-Syndrom, Chorea-Akanthozytose mit Akanthozyten im Blutausstrich).

Insbesondere bei sporadischen Fällen ohne positive Familienanamnese sollten metabolische Erkrankungen (z. B. Hyperthyreose, Morbus Wilson) oder seltene genetische Erkrankungen  (z. B. Hallervorden-Spatz Syndrom) ausgeschlossen werden.

Genetik

Die Huntingtonsche Erkrankung wird autosomal dominant vererbt. Sie beruht auf einer CAG-Triplett-Repeatverlängerung im Huntingtin-Gen (IT15) auf Chromosom 4 (4p16.3).

Grundsätzlich gilt, dass eine größere Anzahl von Tripletts mit einem früheren Krankheitsbeginn und einer rascheren Progredienz verknüpft ist. Im Einzelfall ist eine exakte Voraussage bezüglich Krankheitsbeginn und -verlauf jedoch nicht möglich.

CAG-Tripletts von 36 bis 39 werden als Intermediärallele (Grauzonen-Allele) bezeichnet, da nur ein Teil der Träger dieser Allele erkrankt.

Die Chorea Huntington kann von einer Generation zur nächsten eine Antizipation der klinischen Symptomatik (Vorverlagerung des Krankheitsbeginns) aufweisen. Dies gilt insbesondere bei Vererbung durch den Vater, da die Triplettanzahl bei Vererbung über die männliche Keimbahn häufiger ansteigt als bei Vererbung über die weibliche Keimbahn. Normal-Allele werden von einer Generation an die nächste stabil vererbt.

 

  Triplett-Repeats
Normalallel < 27
Prämutationsallel, meiotisch instabil

27 - 35

Pathologisches Allel, reduzierte Penetranz

36 - 39

Pathologisches Allel, volle Penetranz

> 39

Häufigkeit

1 : 5 000 bis 1 : 6 000

 

Diagnostik

 

Indikation

Differentialdiagnostisch bei o. g. Symptomen, insbesondere bei Kombination von Bewegungsstörungen, Demenz und Wesensveränderung
Prädiktiv: bekannte familiäre Belastung für HD: ein vorausgehendes genetisches Beratungsgespräch ist unverzichtbar

Methodik

Die Anzahl der CAG-Tripletts wird in zwei unabhägigen und unterschiedlichen PCRs analysiert. Die exakte Repeatzahl (nicht verlängert bzw. pathologisch verlängert) wird mittels Fragmentlängenanalyse ermittelt.
Ggf. werden auch die dem CAG-Repeat benachbarten Prolin-Repeats analysiert.

Material

2 - 4 ml EDTA-Blut

Dauer

ca. 2 Wochen



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