Bei V. a. das Vorliegen einer erblichen Tumorerkrankung
sollte eine ausführliche familienanamnestische Abklärung durchgeführt werden.
Differentialdiagnostisch ist neben einem CMMR-D-Syndrom auch an das Vorliegen
eines Li-Fraumeni Syndroms zu denken. Im Rahmen eines genetischen Beratungsgespräches kann eine Zuordnung
des Tumorsyndroms durchgeführt und die entsprechende molekulargenetische
Diagnostik veranlasst werden.
Konstitutives MMR-Defizienz (CMMR-D)-Syndrom
Frühkindliches Auftreten von Tumoren bei biallelischen Mutationen in den MMR-Genen MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2
Klinische Symptomatik
Das HNPCC-Syndom oder Lynch-Syndom wird durch Keimbahnmutationen in den DNA mismatch-repair (MMR) Genen MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2 verursacht. HNPCC wird autosomal dominat vererbt, d.h. schon bei Vorliegen einer Mutation in einer Genkopie oder Allel kommt es zum Manifestation der Erkrankung.
Wenn beide Elternteile eine Keimbahnmutation im gleichen MMR Gen vererben verursacht dies ein autosomal-rezessives kindliches Krebssyndrom, das erst seit Kurzem bekannt ist und als konstitutives MMR-Defizienz (CMMR-D) Syndrom bezeichnet wird. Ca. 50 Prozent aller Patienten mit CMMR-D Syndrom tragen eine homozygote (bzw. compound heterozygote) PMS2-Mutation, es sind aber auch Mutationen in MLH1, MSH2 und MSH6 beschrieben.
Das konstitutive MMR-Defizienz (CMMR-D) Syndrom kann zu einem frühkindlichen Auftreten von Leukämien, Hirntumoren, Polyposis, gastrointestinalen Tumoren sowie Anzeichen für Neurofibromatose 1 (Café-au-lait Flecken) führen.
Genetik
Das Lynch-Syndrom wird durch genetische Veränderungen in den sogenannten DNA-Reparaturgenen MLH1 auf Chromosom 3 (3p21.3), MSH2 auf Chromosom 2 (2p21p22), MSH6 auf Chromosom 2 (2p16) und PMS2 auf Chromosom 7 (7p22) verursacht. Zur Tumorentstehung kommt es, wenn in einer Zelle des Darmgewebes neben der von einem Elternteil vererbten Keimbahnmutation auch die zweite Kopie des Gens funktionslos wird. Diese Tumorzelle verfügt dann über keine DNA-Reparaturaktivität, was sich in der sogenannten Mikrosatelliteninstabilität im Tumorgewebe widerspiegelt. Biallelische bzw. homozygote Mutationen in einem der MMR-Gene verursachen das CMMR-D Syndrom.
Häufigkeit
Selten. In der Literatur sind bislang nur ca. 50 Familien mit CMMR-D Syndrom beschrieben.
Anmerkung
Die Dokumentation der Untersuchungsergebnisse erfolgt im Rahmen einer
Studie der Deutschen Krebshilfe.
Diagnostik
Untersuchung auf Mikrosatelliteninstabilität aus Tumorgewebe
und EDTA-Blut,
Mutationsanalyse der DNA-Reparaturgene mittels Sequenzierung und
MLPA-Deletionsscreening.
2 - 4 ml EDTA-Blut
Tumormaterial zur Mikrosatellitenanalyse
Mikrosatallitenanalyse: 3 - 4 Wochen
Mutationsscreening aller Reparaturgene: ca. 3 Monate
