Schwerst retardierte Kinder mit Mikrocephalie und dysmorpher Fazies und Lissencephalie sowie Kinder mit isolierter Lissencephalie
Miller-Dieker-Lissencephalie-Syndrom, Mikrodeletion 17p13.3
LIS1
Klinische Symptomatik
Das Miller-Dieker-Lissencephalie-Syndrom (MDLS) ist klinisch durch das Auftreten von Epilepsien und eine meist schwere mentale Retardierung charakterisiert. Neben den fazialen Auffälligkeiten wird die Diagnose durch die im MRT sichtbare Lissencephalie in Form einer Agyrie oder Pachygyrie gestellt. Diese wird durch eine Migrationsstörung der Neurone verursacht.
Zu den Merkmalen zählen:
- Entwicklungsauffälligkeiten:
- Die schwere Hirnfehlbildung führt schon pränatal zu intrauteriner Wachstumsverzögerung, verringerten fetalen Bewegungen und Polyhydramnion
- Dysmorphologische Auffälligkeiten:
- Hohe Stirn mit bitemporaler Eindellung
- Kurze Nase mit antevertierten Nasenlöchern
- Breite Nasenwurzel
- Dünne Oberlippe
- Weitere klinische Auffälligkeiten:
- Cardiale Fehlbildungen
- Omphalozele
- Neurologische Auffälligkeiten:
- Variable neurologische Symptomatik
- Hypotonie, Opisthotonus oder Spastik schon bei Geburt
- Die statomotorische und geistige Entwicklung ist bei den länger überlebenden Kindern schwer gestört
Einteilung der Lissencephalien
- Lissencephalie / subcortikale Bandheterotopie (Lissencephalie Typ I):
- Miller-Dieker-Syndrom mit Deletion des LIS1-Gens
- Lissencephalie / subcortikale Bandheterotopie mit Mutationen im LIS1-Gen bzw. DCX-Gen und cerebellärer Hypoplasie mit Mutationen im RELN-Gen
- X-chromosomale Lissencephalie mit abnormen Genitalien mit Mutationen im ARX-Gen (siehe ARX-Gen)
- Cobblestone-Komplex (Lissencephalie Typ II):
- Walker-Warburg-Syndrom
- HARD-Syndrom
- Fukuyama-Muskeldystrophie
- Muscle-Eye-Brain Disease
Genetik
Das Miller-Dieker-Lissencephalie-Syndrom zeichnet sich durch eine Mikrodeletion im kurzen Arm von Chromosom 17 (17p13.3) aus, die zu einer partiellen Monosomie 17p13.3 führt. Diese Mikrodeletion wird bei ca. 90% der betroffenen Patienten gefunden. Dabei handelt es sich wie bei den anderen Mikrodeletionssyndromen meist um sporadische Fälle. Die Größe der Deletion variiert von etwa 0,1 bis 2,9 Mb.
Eine Lissencephalie kann auch durch Mutationen im LIS1-Gen auf Chromosom 17 (17p13.3) verursacht werden. Die für das MDLS typischen fazialen Merkmale liegen dann nicht vor. Daneben existieren auch X-chromosomale Formen, beruhend auf Veränderungen im DCX-Gen oder ARX-Gen, sowie eine weitere autosomale Form (RELN-Gen).
Häufigkeit
1 : 50 000
Diagnostik
Chromosomenanalyse und MLPA-Untersuchung mit einer Chromosom 17p13.3 spezifischen Sonde
2 - 4 ml EDTA-Blut und
2 - 5 ml heparinisiertes Blut
1 - 2 Wochen
