zurück zur Liste

Prader-Willi-Syndrom

PWS

Klinische Symptomatik

Das Prader-Willi-Syndrom (PWS) ist durch folgende Symptome bzw. Hauptbefunde charakterisiert (die klinischen Befunde sind für das jeweilige Alter typisch):

  • Vorgeburtlich deutlich verminderte Kindsbewegungen, häufig abnorme Kindslage
  • Im Säuglingsalter ausgeprägte Muskelhypotonie und Trinkschwäche/Gedeihstörung
  • Im Kindesalter meistens Entwicklung einer Hyperphagie, die zu einem starken Übergewicht führt (zusätzlich begünstigt durch Muskelhypotonie und Bewegungsarmut)

 

Weitere häufige Merkmale des Prader-Willi-Syndroms:

  • Charakteristische Gesichtsmerkmale
    • Schmale Stirn
    • Nach unten gebogene Mundspalte
    • Mandelförmige Augen, häufig blaue Augen
    • Strabismus
    • Blonde Haare
  • Minderwuchs, kleine Hände und Füße, distal sich verschmälernde Finger, Skoliose
  • Hypogonadismus und Hypogenitalismus
  • Entwicklungsauffälligkeiten
    • Mentale Retardierung (meistens mild bis moderat)
    • Verhaltensauffälligkeiten (u.a. Wutanfälle, Sturheit, Schlafstörungen)
  • Entwicklung eines Diabetes mellitus

Genetik

Dem PWS können verschiedene genetische Ursachen zugrunde liegen:

  1. Deletion des Chromosomenabschnittes 15q11q13 väterlicher Herkunft
    Mit ca. 70% die häufigste Ursache des PWS-Syndroms. Eine Deletion auf dem väterlichen Chromosom 15 kann de novo entstehen oder auf einer balanzierten Translokation beim Vater beruhen.
  2. Maternale uniparentale Disomie 15
    Ca. 25% aller Kinder mit PWS-Syndrom weisen zwei Chromosomen 15 auf, die beide von der Mutter stammen. Ein väterliches Chromosom 15 fehlt.
  3. Imprinting-Defekt
    Bei ca. 1% der PWS-Patienten findet man einen Imprinting-Center-Defekt. Die entsprechenden Gene auf dem väterlichen Chromosom sind abgeschaltet.


Die unter Punkt 1 bis 3 genannten Mechanismen führen zu einem auffälligen Methylierungsmuster. Die Diagnose kann durch eine methylierungssensitive PCR (Methylierungstest) gestellt werden. Zur Klärung der genetischen Ursache ist eine weiterführende Analyse ggf. unter Einbeziehung der elterlichen Blutproben (Haplotypenanalyse) notwendig.

 

  1. Weitere seltene Fälle
    Familiäre oder neu entstandene Translokationen, Duplikationen lassen sich mit einer Chromosomenanalyse nachweisen.
  2. UPD14
    Eine maternale uniparentale Disomie 14 (UPD14mat) kann klinisch einem PWS sehr ähnlich sein. Symptomatik: postpartale Hypotonie, späte Adipositas, kleine Hände und Füße, teilweise Minderwuchs, Entwicklungsverzögerung, Pubertas praecox, kein Hypogonadismus.
  3. Unbekannte Ursache
    Nur in ca. 1% kann die genetische Ursache des PWS nicht geklärt werden. Das Wiederholungsrisiko eines PWS, insbesondere für Geschwisterkinder hängt davon ab, welche der o. g. genetischen Ursachen vorliegt.

Häufigkeit

Ca. 1 : 10 000

 

Diagnostik

 

Indikation

Klinischer V. a. PWS
Neugeborene mit ausgeprägter Muskelhypotonie
Kleinkinder mit Hyperphagie, Adipositas und Minderwuchs in Verbindung mit entsprechenden Dysmorphiezeichen und Hypogonadismus

Methodik

Methylierungssensitive PCR
Bei pathologischem Methylierungsmuster: Klärung der genetischen Ursache durch weiterführende zytogenetische und molekulargenetische Untersuchungen, ggf. unter Einbeziehung der elterlichen Blutproben

Material

2 - 4 ml EDTA-Blut
2 - 5 ml heparinisiertes Blut

Dauer

2 Wochen



zurück zur Liste