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Smith-Magenis-Syndrom, Mikrodeletion 17p11.2 -RAI1

SMS

Klinische Symptomatik

Beim Smith-Magenis-Syndrom (SMS) handelt es sich um ein Dysmorphiesyndrom mit begleitenden charakteristischen Verhaltensauffälligkeiten und einer mäßigen bis schweren mentalen Retardierung. Zusätzlich steht eine Sprachentwicklungsverzögerung im Vordergrund.
Zu den Merkmalen gehören:

  • Entwicklungsauffälligkeiten:
    • Allgemeine Entwicklungsretardierung
    • Mäßige bis schwere mentale Entwicklungsstörung mit Sprachentwicklungsverzögerung insbesondere im expressiven Bereich
  • Dysmorphologische Auffälligkeiten:
    • Brachyzephalie, manchmal auch Mikrozephalie
    • Kurze, breite Hände, Brachydaktylie
    • Mittelgesichtshypoplasie
    • Prominente Stirn, prominentes Kinn
    • Tiefliegende Augen
    • Breite Nasenwurze, Synophrys
    • Nach unten abfallende Mundwinkel, bogenförmige Oberlippe
    • Tiefsitzende Ohren und/oder andere Ohranomalie
    Die hier genannten Dysmorphiestigmata sind oft im Kleinkindesalter noch nicht deutlich zu erkennen
  • Verhaltensauffälligkeiten:
    • Stereotypes Verhalten mit selbstverletzenden Handlungen (z. B. in die Hände oder Finger beißen, Herausziehen von Finger- oder Zehennägeln, Kopfschlagen) bei vermindertem Schmerz und/oder Temperaturempfinden
    • Schwere Schlafstörungen aufgrund einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus
  • Weitere klinische Auffälligkeiten:
    • Otolaryngeale Anomalien, Schwerhörigkeit (sowohl Schallleitungs- als auch Schallempfindungsschwerhörigkeit)
    • Augenveränderungen (vor allem Strabismus, Myopie, Mikrocornea)
    • Minderwuchs
    • Skoliose
    • Hirnauffälligkeiten (meistens Ventrikulomegalie)
    • EEG-Auffälligkeiten/Epilepsie
    • Kardiale Auffälligkeiten
    • Renale Anomalien (insbesondere Verdopplungen der Ureteren)
    • Niedrige Immunglobulinspiegel, erniedrigte Schilddrüsenhormonwerte
    • Rauhe, tiefe Stimme mit zunehmendem Alter

Genetik

Das Smith-Magenis-Syndrom ist ein "contiguous-gene-syndrome" (CGS), das zytogenetisch durch eine Mikrodeletion im kurzen Arm von Chromosom 17 (17p11.2) gekennzeichnet ist. Bei über 70% der Patienten mit Smith-Magenis-Syndrom liegt eine identische etwa 3,7 Mb große Deletion vor. Wie auch z. B. beim Williams-Beuren-Syndrom und DiGeorge-Syndrom sind die Deletionen von low copy repeats (LCRs) flankiert. Zwischen den proximalen und distalen LCRs kartiert ein dritter Repeat in der deletierten Region (SMS-REPs).

Etwa 25% der Patienten haben kleinere oder größere Deletionen (etwa 1,5 Mb bis 9 Mb). Entstehungsmechanismus ist ein ungleiches Crossover in der elterlichen Keimbahn. Durch ein solches ungleiches meiotisches Crossover kann auch eine Duplikation des Bereiches 17p11.2 entstehen. Bei Vorliegen dieser Duplikation finden sich die gleichen Syndrom- und Verhaltensauffälligkeiten wie bei der Deletion, die Symptomatik ist aber milder ausgeprägt (siehe auch 17p11.2 Duplikations-Syndrom, Potocki-Lupski-Syndrom).

Weniger als 5% der Smith-Magenis-Patienten weisen Punktmutationen im RAI1-Gen auf.

Häufigkeit

1 : 25 000

 

Diagnostik

 

Indikation

Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung und den charakteristischen Merkmalen des SMS

Methodik

MLPA-Untersuchung

Sequenzanalyse des RAI1-Gens

Zusätzlich sollte eine Karyotypisierung erfolgen, um das Vorliegen von anderen strukturellen Aberrationen abzuklären.

Material

2 - 4 ml EDTA-Blut für die molekulargenetische Untersuchung

2 - 5 ml heparinisiertes Blut für die Chromosomenuntersuchung

Dauer

ca. 2 - 3 Wochen



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