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Spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy - AR

SBMA

Klinische Symptomatik

Die Spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy (SBMA) ist eine X-chromosomal rezessive Erkrankung, die durch eine progrediente Degeneration der spinalen und bulbären Motoneurone (2. Motoneuron) verursacht wird. Klinische Symptome treten im Erwachsenenalter auf, mit Beginn in der 3. – 6. Lebensdekade. Im Vordergrund stehen langsam progrediente Muskelatrophien und Paresen. Zusätzlich werden Faszikulationen, Muskelkrämpfe und Tremor beobachtet. Initial ist bevorzugt die proximale Beinmuskulatur betroffen, später auch Arme und die distale Muskulatur. Bei den meisten Patienten kommt es im Verlauf zu einer Beteiligung der bulbären Muskulatur mit Dysathrie, Schluckschwierigkeiten und Zungenfaszikulation. Durch eine begleitende Hinterstrangdegeneration kann eine milde sensible Symptomatik bestehen. Differenzialdiagnostisch wichtig zur Abgrenzung gegenüber anderen spinalen Muskelatrophien ist die endokrinologische Symptomatik. Als frühes Zeichen einer peripheren Androgenresistenz besteht häufig eine Gynäkomastie, noch vor Auftreten der muskulären Beschwerden.

Andere endokrinologische Symptome (verminderter Bartwuchs, herabgesetzte Fertilität, Diabetes mellitus) können variabel und altersabhängig auftreten. Generell können das individuelle Manifestationsalter und der Verlauf der Erkrankung auch innerhalb einer Familie sehr variabel sein.

Genetik

Die Spinobulbäre Muskelatrophie wird durch eine Verlängerung eines CAG-Nukleotidtripletts im AR-Gen (Androgen-Rezeptor, X-Chromosom, Xq12) X-chromosomal-rezessiv vererbt. Während sich die Erkrankung bei Männern im Laufe des Erwachsenenalters manifestiert, bleiben heterozygote Anlageträgerinnen (Repeatverlängerung nur auf einem der beiden X-Chromosomen) in der Regel ohne klinische Beschwerden, können die Erkrankung aber mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit an ihre Söhne weitergeben. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen, die durch eine zu hohe Anzahl von Nukleotidtripletts verursacht werden, bleibt die Repeat-Zahl bei der Vererbung an die Kinder eher stabil, eine geringe Expansion der CAG-Tripletts in der männlichen Keimbahn wurde beschrieben.

 

  Triplett-Repeats
Normallel < 35
Pathologisches Allel, reduzierte Penetranz 35, 36, 37
Pathologisches Allel, volle Penetranz > 37

Häufigkeit

1 : 50 000 in der männlichen Bevölkerung

 

Diagnostik

 

Indikation

Muskelschwäche und Muskelatrophie im männlichen Geschlecht
Abklärung des Überträgerinnenstatus bei Frauen in betroffenen Familien

Methodik

PCR zum Nachweis von nicht verlängerten und verlängerten CAG-Tripletts

Material

2 - 4 ml EDTA-Blut

Dauer

ca. 2 Wochen



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