Vor Einsatz von Thiopurinen (Azathioprin, 6-Mercaptopurin und 6-Thioguanin)
Thiopurin S-Methyltransferase-Mutationen - TPMT
Toxizität nach Thiopurin-Therapie
Klinische Symptomatik
Das Gen TPMT kodiert für das Enzym Thiopurin S-Methyltransferase, welches die S-Methylierung und damit die Inaktivierung von Thiopurinen katalysiert. Thiopurine (Azathioprin, 6-Mercaptopurin und 6-Thioguanin) werden als Zytostatika und Immunsuppressiva bei z. B. Morbus Crohn, kindlicher Leukämie, chronischer Hepatitis und Transplantationen eingesetzt.
Die TPMT-Aktivität, die für die Verträglichkeit bzw. mögliche Toxizität von Thiopurinen entscheidend ist, unterliegt genetischen Polymorphismen im TPMT-Gen: Etwa 10% der kaukasischen Population haben eine um 75% reduzierte TPMT-Aktivität, während ca. jedes 300. Individuum keine messbare TPMT-Aktivität aufweist (TPMT*3A).
Die Folgen einer verminderten TPMT-Aktivität sind das vermehrte Auftreten von Nebenwirkungen bei der Verabreichung einer Standarddosis.
Tumorpatienten, insbesondere Kinder, die Träger der genetischen Varianten TPMT*2, TPMT*3B oder TPMT*3C des TPMT-Gens sind, haben ein stark erhöhtes Risiko, unter einer Therapie mit Thioguanin, Mercaptopurin oder Azathioprin schwere bis lebensbedrohliche Nebenwirkungen zu erleiden (Neutropenie).
Genetik
Das TPMT-Gen ist auf Chromosom 6 (6p22.3) lokalisiert. Folgende gut charakterisierte Mutationen im TPMT-Gen, die zusammen ca. 97% der TPMT-Aktivitätsreduktion abdecken, werden durch die Analyse erfasst:
- Die Mutation des Nukleotids 238 (Veränderung von G nach C), die zu einem Austausch der Aminosäure Alanin nach Prolin führt (Allel TPMT*2) bewirkt ein Absinken der Enzymaktivität um den Faktor 100.
- Die Mutation des Nukleotids 460 (Veränderung von G nach A), die zu einem Austausch der Aminosäure Alanin nach Threonin führt (Allel TPMT*3B) bewirkt ein Absinken der Enzymaktivität um den Faktor 9.
- Die Mutation des Nukleotids 719 (Veränderung von A nach G), die zu einem Austausch der Aminosäure Tyrosin nach Cystein führt (Allel TPMT*3C) bewirkt ein Absinken der Enzymaktivität um den Faktor 1,4.
Beim gemeinsamen Auftreten der beiden letztgenannten Varianten (TPMP*3B und TPMT*3C) sinkt die Enzymaktivität ca. um den Faktor 200 (Allel TPMT*3A).
Häufigkeit
Kaukasische Population:
TPMT*3A : ca. 1 : 300
TPMT*2 / TPMT*3B / TPMT*3C: ca. 1 : 10
Diagnostik
Die 4 Allelvarianten werden mit einen Light–Cycler Kit analysiert.
2 - 4 ml EDTA-Blut
In Ausnahmefällen auch Abstrich der Wangenschleimhaut
2 - 3 Tage
