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FISH-Diagnostik bei Mikrodeletions-Syndromen

Allgemeines

Patienten mit Mikrodeletions-Syndromen sind in der Regel phänotypisch auffällig, wobei anhand der dysmorphologischen Stigmata und der Schwere der Retardierung häufig schon Hinweise auf konkrete kleinste chromosomale Veränderungen vorliegen.

Mikrodeletionen sind kleinste chromosomale Deletionen, die in einer konventionellen Chromosomenanalyse aufgrund ihrer geringen Größe nicht erfasst werden. Mit der Technik der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) oder einer Array-CGH-Untersuchung kann der Verlust dieser genomischen Sequenzen nachgewiesen werden.
Einige Regionen, für die klinisch relevante Mikrodeletionen beschrieben sind, können aufgrund der Genomarchitektur auch dupliziert sein. Low copy repeats (LCRs), die die betreffenden Chromosomenregionen flankieren, können durch nicht-homologes Crossover zu Deletionen, aber auch zu Duplikationen führen. Träger solcher Mikroduplikationen zeigen, wie die Träger von Mikrodeletionen, charakteristische phänotypische Auffälligkeiten (siehe z. B. Mikroduplikationen 7q11.23, 17p11.2 oder 22q11.2).

Für die molekularzytogenetische Abklärung der Mikrodeletions-Syndrome stehen spezifische FISH-Sonden zur Verfügung. Der Nachweis der Mikrodeletionen erfolgt in erster Linie an Metaphasechromosomen, während Mikroduplikationen in der Regel nur an Interphasezellkernen durch ein zusätzliches Signal oder eine molekulargenetische MLPA-Untersuchung nachgewiesen werden können.

In der Tabelle sind die häufigsten Syndrome aufgeführt. Die Zahl dieser Syndrome nimmt nicht zuletzt durch die Anwendung der Array-CGH-Technologie stetig zu. Das Medizinisch Genetische Zentrum passt daher die Bandbreite des molekularzytogenetischen Nachweises dieser Syndrome kontinuierlich den Erfordernissen der humangenetischen Diagnostik an.

Mikrodeletions-Syndrom* Chromosomenregion
1p36 Mikrodeletions-Syndrom 1p36
3q29 Mikrodeletions-Syndrom 3q29
Wolf-Hirschhorn-Syndrom 4p16.3
Cri-du-chat-Syndrom 5p15.2
Williams-Beuren-Syndrom 7q11.23
9q34.3 Mikrodeletions-Syndrom 9q34.3
Angelman-Syndrom 15q11q13
Prader-Willi-Syndrom 15q11q13
Miller-Dieker-Lissencephalie-Syndrom 17p13.3
Smith-Magenis-Syndrom 17p11.2
17q21.31 Mikrodeletions-Syndrom 17q21.31
DiGeorge-Syndrom 22q11.2
Velo-Cardio-Faziales-Syndrom 22q11.2
Phelan-McDermid-Syndrom 22q13.3
Ichthyose, X-chromosomal Xp22.31
Kallmann-Syndrom Xp22.31
Mikroduplikations-Syndrom* Chromosomenregion
Mikroduplikation 7q11.23 7q11.23
Mikroduplikation 17p11.2 17p11.2
Mikroduplikation 22q11.2 22q11.2


* siehe auch Informationen zu den einzelnen Krankeitsbildern

 

Diagnostik

 

Indikation

Abklärung von Mikrodeletionen bei spezifischen phänotypischen Auffälligkeiten,

ggf. unter Einbeziehung von Familienangehörigen.

Methodik

FISH-Untersuchung mit spezifischen DNA-Sonden auf Metaphasechromosomen (Mikrodeletionen)

MLPA-Untersuchung (Mikroduplikationen)

Array-CGH

Material

2 - 5 ml heparinisiertes Blut

2 - 4 ml EDTA-Blut

Dauer

1 - 2 Wochen



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