- Nachweis von chromosomalen Umbauten, die mit den konventionellen Färbemethoden nicht eindeutig charakterisiert werden können
- Abklärung von Mikrodeletionen und Mikroduplikationen bei entsprechendem klinischen Verdacht
- Identifizierung X- oder Y-Chromosom-spezifischer Sequenzen (z. B. bei auffälligem Genitale oder unklarem genetischen Geschlecht)
- Abklärung eines Gewebemosaikes: Interphase-FISH an Zellen eines Wangenschleimhautabstriches oder Urothelzellen aus Urin
Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH)
Übersicht
Allgemeines
Die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) ist eine molekularzytogenetische Untersuchung mit deren Hilfe Bereiche des Genoms farbig dargestellt werden können. Fluorochrom-markierte DNA-Sonden weisen bestimmte genomische Regionen nach, indem sie mit homologen chromosomalen Sequenzen hybridisieren. Die Darstellung der fluoreszierenden DNA-Abschnitte kann auf Metaphasechromosomen oder Interphasezellkernen erfolgen.
Die Auflösungsgrenze ist bestimmt durch die optische Auflösung des Mikroskops und durch die Wahl der Sonden. Die höchste Auflösung liegt bei etwa 50 Kb.
Von klinischer Bedeutung sind kleinste Bereiche einiger Chromosomen, deren Verlust zu Mikrodeletions-Syndromen (z. B. Mikrodeletion 22q11.2, DiGeorge-Syndrom) führt. Weitere Informationen finden Sie unter der Übersicht "FISH-Diagnostik bei Mikrodeletions- und Mikroduplikations-Syndromen" und den Beschreibungen der einzelnen Syndrome.
Auch Mikroduplikationen können mit einer FISH-Untersuchung an Interphasezellkernen nachgewiesen werden, jedoch ist in der Regel eine molekulargenetische MLPA-Untersuchung vorzuziehen.
Die genreichen, telomernahen Regionen der für jedes Chromosom spezifischen Subtelomerregionen können bei Patienten mit mentaler Retardierung oder Dysmorphiesyndromen von strukturellen Veränderungen (meist Deletionen) betroffen sein. Diese Veränderungen können mit für diese Regionen spezifischen FISH-Sonden nachgewiesen werden (Subtelomer-Analyse).
Mit weiteren FISH-Sonden können die euchromatischen Sequenzen eines kompletten Chromosoms dargestellt werden. Sie dienen dem Nachweis interchromosomaler Umbauten und der Charakterisierung von Markerchromosomen. Andere Sonden hybridisieren mit zentromerspezifischen Regionen, womit diese chromosomalen Bereiche identifiziert werden können.
Zur Untersuchung eines somatischen Mosaikes kann eine Interphase-FISH-Untersuchung an Zellen eines Wangenschleimhautabstriches oder aus Urin erfolgen, wenn ein Ergebnis einer Analyse an Lymphozyten des peripheren Blutes aus einem zweiten Gewebe abgesichert werden soll.
Neueste Daten aus den Ergebnissen der Array-CGH-Untersuchung zeigen, dass die Mehrheit der genomischen Veränderungen (Deletionen und Duplikationen) Bereiche der Chromosomen betreffen, die mit den bisher verwendeten FISH-Sonden nicht erfasst werden können. Dennoch sind molekularzytogenetische Abklärungen dieser in der Array-CGH erhaltenen Ergebnisse wichtig. Diese Entwicklung führte zur Validierung einer großen Anzahl neuer FISH-Sonden, die spezifisch Veränderungen kleinster genomischer Regionen nachweisen.
Beim „Pränatalen FISH-Schnelltest“ werden spezifische DNA-Sonden eingesetzt, um beim Feten numerische Veränderungen (Aneuploidien) der Chromosomen 13, 18, 21, X und Y im unkultivierten Fruchtwasser abzuklären.
Diagnostik
FISH-Untersuchung mit spezifischen DNA-Sonden, die auf Metaphasechromosomen oder Interphasezellkernen hybridisiert werden
2 - 5 ml heparinisiertes Blut
Fruchtwasser
Weiteres Gewebe nach Rücksprache
1 - 2 Wochen
