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Alpha-Thalassämie mit mentaler Retardierung, X-chromosomal
Diagnostik über folgende genetische Analyse(n)/Panel möglich
Klinische Symptomatik
Patienten mit einer X-chromosomalen Alpha-Thalassämie mit mentaler Retardierung haben eine ausgeprägte Entwicklungsverzögerung, charakteristische faziale Dysmorphiezeichen, ein auffälliges Genitale und Alpha-Thalassämie mit HbH-Zellen.
Die Geburtsmaße liegen im Normbereich, bereits nach der Geburt fällt eine ausgeprägte Hypotonie mit Trinkschwäche auf. Zu den Dysmorphiezeichen zählen ein Hypertelorismus, Telekanthus, Stirnhaarwirbel, eingesunkene Nasenwurzel, kleine dreieckige Nase mit antevertierter Nasenbodenebene, flaches Mittelgesicht, weitstehende Zähne und zeltförmige Oberlippe (hypotone Mundhaltung). Meist liegt eine Mikrozephalie vor. Zusätzlich können skelettale Veränderungen (Kleinwuchs, Pes planus, Klumpfuß, Skoliose, Hemivertebrae) vorliegen. Genitalauffälligkeiten können ein Kryptorchismus, hypoplastisches Skrotum oder Hypospadie sein. Die Entwicklung der Kinder ist häufig stark verzögert, viele erlernen keine aktive Sprache. Ein Drittel entwickelt eine Epilepsie. In der Regel besteht die deutliche muskuläre Hypotonie fort. Weitere Symptome können ein gastrointestinaler Reflux und eine ausgeprägte Obstipation sein.
Charakteristisch ist der Nachweis von HbH-Zellen i.S. einer Alpha-Thalassämie, die sich in einer mikrozytären hypochromen Anämie zeigt. Diese sind jedoch in der Regel nur mit speziellen Nachweismethoden sichtbar (Färbung mit Brillantkresylblau). Bei vielen Patienten ist das Blutbild allerdings unauffällig.
Genetik
Ursächlich sind Mutationen im Gen ATRX. Mutationen dieses Gens führen zu einem veränderten Methylierungsmuster der DNA im Heterochromatin-Bereich. Weiterhin scheint die Expression des Alpha-Globins herab reguliert zu sein. ATRX liegt auf dem X-Chromosom. Frauen, die eine Mutation tragen, sind in aller Regel nicht symptomatisch. Dies ist auf eine verschobene X-Inaktivierung zurückzuführen (95 % der Anlageträgerinnen). Weiterhin können Mutationen in diesem Gen neben dem klassischen Phänotyp auch eine nichtsyndromale X-gebundene mentale Retardierung bzw. mentale Retardierung mit Spastik bzw. Epilepsie verursachen.
