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Aniridie

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

PAX6-Mutationen verursachen eine panokuläre Symptomatik. Klinisch führend ist meist eine Aniridie, also eine vollständige oder teilweise Hypoplasie der Iris. Begleitend liegt eine Fovea-Hypoplasie vor. Dies führt zu einem herabgesetzten Visus und Nystagmus, der bereits in früher Kindheit auffällt. Häufige assoziierte Augenveränderungen (oft mit späterem Beginn) sind ein früh beginnender Katarakt, Glaukom und Optikushypoplasie. Auch Hornhautveränderungen (Keratopathie) können auftreten, u.a. bedingt durch eine Limbus-Stammzell-Insuffizienz. Zusätzlich können ZNS-Auffälligkeiten vorliegen, wie z.B. Riech- und Hörstörungen.

Die Aniridie kann entweder als isolierte pathologische Veränderungen des Auges ohne systemische Beteiligung (durch Mutationen bzw. kleinere Deletionen des Gens PAX6) oder als Teil des WAGR-Syndroms (Wilms tumor-aniridia-genital anomalies-retardation syndrome) auftreten. Das WAGR-Syndrom wird durch eine Deletion 11p13 verursacht, die neben PAX6 auch das angrenzende Gen WT1 (Wilms-Tumor) umfasst. Personen mit einer 11p13-Deletion (PAX6 und WT1) haben ein bis zu 50 %iges Risiko einen Wilms-Tumor zu entwickeln.

Genetik

Die Aniridie wird durch heterozygote Mutationen im Gen PAX6 verursacht. PAX6 (paired box gene 6) kodiert einen Transkriptionsfaktor, der insbesondere bei der Entwicklung des Auges aber auch anderen zentralnervösen Strukturen involviert ist. Der Erbgang der Aniridie ist autosomal-dominant. Biallelische Veränderungen in PAX6 gehen mit schweren kraniofazialen und zentralnervösen Fehlbildungen (u.a. Anophthalmie) einher.

Folgende okuläre Phänotypen können ebenfalls durch Mutationen in PAX6 verursacht werden, auch ohne Vorliegen einer Aniridie:

  • Keratopathie mit Hornhauttrübung und –Vaskularisation durch Limbusstammzell-Insuffizienz
  • Peters Anomalie
  • Ectopia pupillae
  • Juvenile Katarakte
  • Isolierte foveale Hypoplasie
  • Aplasie, Hypoplasie oder Kolobome des Sehnervs
  • Mikrophthalmie, Katarakt und Nystagmus
  • Foveale Hypoplasie / Makular Kolobome mit neuronaler Entwicklungsstörung (z.B. Kleinhirn-Syndrom, kortikale Atrophie, Intelligenzminderung, fehlende Zirbeldrüse)
Häufigkeit

1 : 40 000 - 1 : 100 000

Indikation

O.g. Symptomatik bzw. Teilsymptomatik, besonders bei familiärer Belastung.

Methodik Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.