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Benigne familiäre neonatale und infantile Epilepsie (BFNE, BFNIE, BFIE)

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Typisch für die benignen autosomal dominanten Epilepsiesyndrome ist ein altersgebundenes abruptes Auftreten von afebrilen Anfällen, die in einem späteren Lebensalter spontan sistieren. Vorzugsweise sekundär generalisierte fokale Anfälle, in der Regel dabei unauffällige psychomotorische Entwicklung und gutes Ansprechen auf eine antikonvulsive Therapie. Oft - jedoch nicht immer- liegt eine positive Familienanamnese bei einem Elternteil vor. Je nach Alter bei Erstmanifestation unterscheidet man drei Formen:

  • die benigne familiäre Neugeborenenepilepsie (BFNE oder BFNS oder BFNC; Gene KCNQ2 und KCNQ3): kurze tonische oder tonisch-klonische Anfälle, die stereotyp am 2. oder 3. Lebenstag einsetzen und nach mehreren Wochen spontan remittieren.
  • die benigne familiäre neonatal–infantile Epilepsie (BFNIE oder BFNIS; Gen SCN2A), als intermediärer Phänotyp zwischen BFNE und BFIE mit einer Anfallsmanifestation zwischen 1. und 4. Lebensmonat.
  • die benigne familiäre infantile Epilepsie (BFIE oder BFIS; Gen PRRT2), Anfälle meist zwischen 4. und 12. Lebensmonat einsetzend und um das zweite Lebensjahr sistierend.

Ein kleinerer Teil der Betroffenen erleidet in der späteren Kindheit und im Erwachsenenalter weiterhin afebrile Anfälle. Neumutationen, insbesondere in KCNQ2, können für nicht benigne Verlaufsformen bis hin zu einer epileptischen Enzephalopathie verantwortlich sein.

Das bei den benignen Verläufen zeitlich beschränkte Auftreten in den ersten Lebenswochen ist für die BFNE dadurch erklärbar, dass in dieser Phase das GABA-System noch exzitatorisch wirkt und die Hauptinhibition im Zentralnervensystem über den sog. M-Kaliumionenstrom verläuft. Die Ionenkanäle KCNQ2 und KCNQ3 bilden gemeinsam diesen M-Kaliumionenstrom, der für die Unterbindung von repetitiven Aktionspotentialen verantwortlich gemacht wird.

Genetik

Der Erbgang ist autosomal-dominant mit hoher Penetranz.

  • Mutationen in den Kaliumkanal-Genen KCNQ2 (Potassium channel, voltage gated, KQT-like subfamily, member 2, 20q13.3) und seltener KCNQ3 (Potassium channel, voltage gated, KQT-like subfamily, member 3, 8q24) wurden als Ursache der BFNE beschrieben.  
  • Mutationen im Natriumkanal-Gen SCN2A (Sodium channel, voltage gated, type II, alpha subunit, 2q24.3) wurden bei Patienten mit BFNIE identifiziert, seltener auch bei Patienten mit BFIE. 
  • Mutationen in PRRT2 (Proline-rich transmembrane protein 2, 16p11.2) wurden bei Patienten mit BFIE identifiziert und können mit paroxysmalen Bewegungsstörungen assoziiert auftreten (ICCA = Infantile Convulsionen mit paroxysmaler Choreoathetose bzw. PKD = paroxysmale kinesigene Dyskinesie).
Häufigkeit

relativ selten

Indikation

O. g. Symptomatik, besonders bei familiärer Belastung

Methodik Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauer 3-6 Wochen