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Stickler-Syndrom

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Das Stickler-Syndrom – auch Arthro-Ophthalmopathie – ist eine autosomal dominante Bindegewebserkrankung, die durch okuläre Symptome (Myopie, Vitreoretinopathie), Schwerhörigkeit, Gelenkbeschwerden und eine variable Dysmorphie gekennzeichnet ist.

Typisch ist eine hochgradige Kurzsichtigkeit (> -3 dpt.), die bereits in frühester Kindheit diagnostiziert werden kann. Weiterhin treten Glaskörperveränderungen auf. Diese werden in der Literatur als typischerweise „membranös“ oder „perlschnurförmig“ beschrieben, in der Praxis sind die Glaskörperveränderungen jedoch häufig unspezifisch. Das Risiko für Netzhautablösungen ist deutlich erhöht. Weiterhin können eine angeborene / juvenile Katarakt vorliegen, einige Patienten entwickeln eine Linsenluxation.

40 % der Patienten haben eine Hörstörung; diese kann sehr variabel ausgeprägt sein von subklinisch bis Taubheit. Die Gelenkbeschwerden entsprechen oft dem klinischen Bild einer früh manifesten Arthritis. Aufgrund von Wirbelsäulenveränderungen (z.B. Skoliose, Veränderungen ähnlich eines M. Bechterew) kommt es häufig zu Rückenschmerzen. Radiologisch sind Zeichen einer spondyloepiphysären Dysplasie nachzuweisen. 50 % der Patienten haben einen Mitralklappenprolaps.

Kraniofaziale Zeichen sind typischerweise eine Mittelgesichtshypoplasie und eine Gaumenspalte (isoliert oder im Rahmen einer Pierre-Robin-Sequenz, z.T. auch nur gespaltene Uvula oder hoher Gaumen). Diese können jedoch auch nur sehr diskret sein und insbesondere im Erwachsenenalter nicht mehr auffallen. Da die klinischen Anzeichen häufig nur mild ausgeprägt sind, gilt das Stickler-Syndrom als unterdiagnostiziert.

Genetik

Ursächlich sind Mutationen in den Genen COL2A1, COL11A1 und COL11A2. Diese kodieren für Bestandteile der Kollagen II – und Kollagen XI-Fasern, und damit Bestandteil der extrazellulären Matrix. Die Mehrzahl der Patienten hat eine ursächliche Mutation in COL2A1 (80-90 %), bis zu 20 % haben Mutationen in COL11A1. Patienten mit Mutationen in COL11A1 haben eine ausgeprägtere Schwerhörigkeit als Patienten mit COL2A1-Mutationen. Mutationen in COL11A1 sind außerdem ursächlich für das Marshall-Syndrom. Veränderungen in COL11A2 sind selten, diese Patienten haben keine okuläre Symptomatik (keine Myopie, keine Netzhautablösung).

Der Erbgang ist autosomal dominant. Beim sehr seltenen autosomal rezessiven Stickler-Syndrom wurden Mutationen in den Genen COL9A1 und COL9A2 beschrieben.

Häufigkeit

Nicht genau bekannt, vermutlich < 1 : 10 000.

Indikation

o.g. Symptomatik, auch bei unauffälliger Familienanamnese

Methodik Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauer 3-6 Wochen