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Dravet-Syndrom

Untersuchte Gene

Klinische Symptomatik

Epilepsien, die mit Mutationen des Gens SCN1A assoziiert sind, umfassen ein breites klinisches Spektrum, das hinsichtlich Ausprägung und Schweregrad – sogar innerhalb einer Familie – sehr variabel sein kann. In vielen Fällen tritt der erste Anfall in zeitlicher Assoziation mit einem Infekt (nicht notwendigerweise mit Fieber) oder einer Impfung auf. Ebenso können Emotionen wie große Freude oder Angst Anfälle auslösen.

SCN1A-Mutationen wurden bislang bei unterschiedlichen Anfallstypen bzw. Epilepsie-Syndromen beschrieben, insbesondere bei einem Anfallsbeginn in den ersten beiden Lebensjahren, darunter häufig bei
  • Dravet-Syndrom bzw. SMEI (severe myoclonic epilepsy in infancy)
  • SMEB (severe myoclonic epilepsy, borderline)
  • PMEI (polymorphic myoclonic epilepsy in infancy)
  • Generalisierten Epilepsien mit Fieberkrämpfen (generalized epilepsy with febrile seizures plus, GEFS+)
  • Partiellen Anfällen (infantile partial seizures with variable foci, seizures of infancy, cryptogenic focal epilepsy, severe infantile multifocal epilepsy)
seltener auch bei
  • Myoklonisch-astatischer Epilepsie (MAE, Doose syndrome)
  • Lennox-Gastaut Syndrom (LGS)
  • Infantilen Spasmen
  • West-Syndrom
  • Fieberkrämpfen (febrile seizures, FS) und bei
  • Impfungs-assoziierter Enzephalopathie mit Krampfanfällen

Mutationen in SCN1A führen auch zur familiärer hemiplegischen Migräne (FHM3).

Besondere klinische Verdachtsmomente auf eine ursächliche SCN1A-Mutation ergeben sich bei kindlichen Epilepsien und mehr als einem Patienten mit Epilepsie in einer Familie, insbesondere beim Vorkommen verschiedener Anfallstypen in der Familie, Fieberkrämpfen vor dem 1. oder nach dem 6. Lebensjahr oder komplizierten Fieberkrämpfen und febrilem Status epilepticus bzw. Fieberkrämpfen, die unprovozierten afebrilen Anfällen vorangehen.

Zu beachten ist die Verwendung von Natriumkanalblockern in der Therapie, da diese zu einer Aggravation des Krankheitsbildes führen können.

Genetik

Das ursächliche Gen SCN1A liegt auf Chromosom 2q24 und kodiert für einen Natriumkanal (Sodium channel protein type 1 subunit alpha). Durch SCN1A-Mutationen verursachte Epilepsien folgen einem autosomal dominantem Erbgang mit unvollständiger Penetranz. Neumutationen sind möglich und werden insbesondere bei schwereren Verlaufsformen beobachtet.

Häufigkeit

Selten

Indikation

O. g. Symptomatik, besonders bei familiärer Belastung

Methodik Sequenzanalyse, komplett
Sequenzanalyse nach Sanger (kodierende und angrenzende Bereiche)

MLPA, Multiplex Ligation dependent Probe Amplification
Methode zum Nachweis von Deletionen / Duplikationen einzelner Exons

Next Generation Sequencing (NGS)

Parallele Sequenzierung mehrerer Gene


Material 2-4 ml EDTA-Blut
Dauerbini hchdasd Informationen zur Dauer der Analysen erhalten Sie über die jeweiligen Links unter dem Abschnitt „Untersuchte Gene“.